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Sprache als akustische Präsenz

Samstag, 28. April 2007 | Autor: Bernd

Beim Studieren von Sprachphilosopen frage ich mich, warum gerade diese so schwer zu verstehen sind. Von allen philosophischen Themen sind gerade die über die Sprache für mich am unverständlichsten ausgedrückt.

Was ist Sprache? Vielleicht liegt der Irrtum darin, einen Nebeneffekt der Sprache zu ihrem Wesen zu erheben und sich dann zu wundern, dass die wirkliche Sprache und deren Gebrauch mit den Erkenntnissen aus dieser Forschung nicht übereinstimmt.

Tatsächlich kann Sprache auch zur Kommunikation, zum Austausch von Informationen benutzt werden, mitunter wird Sprache sogar dazu benutzt: “Bernd, hole mir bitte die Butter, sie steht in Kühlschrank im zweiten Fach von links!” Das ist ein Beispiel präzisen Sprachgebrauchs einer Anweisung in Form einer Bitte. Das ist selten und ganze Bibliotheken von Kommunikationshandbüchern geben uns nützliche Hinweise dazu, wie diese Funktion der Sprache sinnvoll genutzt werden kann.

Die Tatsache aber, dass es ganze Bibliotheken von Kommunikationshandbüchern gibt, kann uns aber auch auf etwas anderes hinweisen, nämlich dass die Sprache nicht selbstverständlich Kommunikationsmittel ist.

Belauschen wir ein gewöhnliches Gespräch, so zeigt sich ein ganz anderes Bild: die Antwort hat meistens überhaupt nichts mit der Frage zu tun! Rosa von Praunheim hat das in “Die Bettwurst” sehr schön gezeigt. Zwei Menschen in ihren Paralleluniversen, deren Rede, selbst wenn sie scheinbar einen Dialog aufführen, nichts miteinander zu tun hat, sondern der Ausdruck von Statements ist, dessen was gerade gedacht, geglaubt oder einfach nur dahergesagt wird.

Sprache kann Ausdruck von etwas sein, sei es von etwas Bewußtem oder Unbewußtem. Sprache ist keinesfalls Bedingung des Denkens, sie ist Begleiterscheinung des Denkens, vielleicht sogar Abfall, Rausfall, das, was so aus dem Mund fällt.

Sprache ist eher wie Musik, sie ist das Geräusch, das Menschen machen, während sie leben. So wie das Singen der Vögel mehr ist als Information, als Revierabgrenzung und Partnerruf.

Sprache ist Lust am Dasein, akustische Präsenz.

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Über die Verständlichkeit von Philosophie

Montag, 5. Februar 2007 | Autor: Bernd

Philosophie und philosophische Schriften gelten als schwer verständlich. Das ist bei Sätzen nachvollziehbar, wie:

“Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So widersprechend es scheinen mag, daß das Absolute wesentlich als Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Überlegung diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: alle Tiere, dies Wort für eine Zoologie gelten kann, ebenso fällt es auf, daß die Worte des Göttlichen, Absoluten, Ewigen usw. das nicht aussprechen, was darin enthalten ist; – und nur solche Worte drücken in der Tat die Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches Wort, der Übergang auch nur zu einem Satze, ist ein Anderswerden, das zurückgenommen werden muß, ist eine Vermittlung. Diese aber ist das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, daß mehr aus ihr gemacht wird denn nur dies, daß sie nichts Absolutes und im Absoluten gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben wäre. (G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes. Vorrede)”

Fremdworte, seltsame Formulierungen unverständliche Formulierungen sind Blicke in fremdes Denken, aktuelles Denken in schriftlicher Form. So wird geschrieben, wenn geforscht wird. Wenn die Sachverhalte erst einmal begriffen und Allgemeingut der Menscheit geworden sind, können sie erst verständlich formuliert werden. Was Hegel hier sagt, ist, dass, wenn ich erfahren muss, dass meine Gedanken nur in meinem Kopf existieren und die lebendige Wirklichkeit dadurch nur immer subjektiv und nur unvollkommen beschrieben wird – mein Wunsch nach Wissenschaft nicht aufgegeben werden muss, denn der Wunsch ist es, das Drängen, nicht das Resultat, der trockene Buchstabe, in dem wir und für den wir leben.

Dieses Drängen selbst ist gerichtet und zwar von der abstrakten Allgemeinaussage “alle Tiere” hin zur Konkretion “aller” Eigenschaften und Beziehungen eines Sachverhaltes, zum Beispiel in der Wisenschaft der Zoologie, die für Hegel hier das Beispiel absoluten Wissens gibt.

Also: Habt Verständnis mit den Philosophinnen und Philosophen, die um Verständnis ringen!

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