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Wandel der Zeitvorstellung

Mittwoch, 1. April 2009 | Autor: Bernd

Wenn sich das Selbst in der Zeit bewegt, gibt es gelegentlich Revolutionen in der Zeitvorstellung und Zeitwahrnehmung:

“Selbstdarstellung über Mode ist naheliegend, weil sich Identitäten in modernen Industriegesellschaften beispielsweise eher über Karriere als über Herkunft definieren.” (Brit Beneke)

Das heisst ja auch, dass sich das Zeitdenken an der Schwelle zum Industriezeitalter gewandelt haben muss.
Definiere ich mich über Herkunft, also über den Stamm, die Eltern, als Sohn/ Tochter von …, ist meine Zukunft durch die Herkunft bedingt, muss ich mich um die Sicherung und Fixierung meiner Vergangenheit kümmern. Ich muss Geschichte-n schreiben, ich muss Stammbäume produzieren und aufbewahren, ich muss Besitz fixieren, ich muss mich auf vergangene Taten meiner Vorgänger berufen. Altes ist schön, begehrenswert und wird geachtet. Ich werde versuchen, es so zu machen, wie es meine Vorgänger getan haben. Mein Blick wird immer auf die Vergangenheit fixiert sein. Mein Erbe wird mich für die Überraschungen der Zukunft sichern.
Definiere ich mich über Karriere, so ist die Vergangenheit uninteressant. Mehr noch, ich bin interessiert daran, die Vergangenheit uninteressant zu machen. Ich werde Geschichten überraschender Genies, die aus dem Nichts auftauchen, überraschender Zufälle, die sich einfach so, ohne mein Zutun ergeben, produzieren. Ich werde mich mit Möglichkeiten, mit Freiheit umgeben (Komm ins Offene!). Ich werde stolz sein, Dinge NICHT mehr so zu machen, wie es meine Vorgänger getan haben. Mein Blick wird immer auf die Zukunft fixiert sein.

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Zeit und Subjektivität

Sonntag, 4. Februar 2007 | Autor: Bernd

Zeit ist ein Phänomen. Das heißt, es gibt Effekte, an denen wir erfahren können, dass es etwas gibt, das wir als Zeit beschreiben können. Die Sanduhr zeigt das Phänomen Zeit, wie es uns erscheint: Es gibt eine Zukunft (der Sand im oberen Teil des Glases), eine Vergangenheit, (der Sand im unteren Teil des Glases), und eine Gegenwart, die Verjüngung zwischen den beiden Hälften, der Ort, an dem das Sandkorn von oben nach unten fällt.

Die Zeit, wie sie für uns erscheint, ist ein Prozess. Vergangenheit und Gegenwart sind etwas, das dann, wenn wir sind, nicht sind. Das eine war einmal, das andere wird erst sein. Soweit ist es banal und allen bekannt. Was sind aber die Schlussfolgerungen aus diesem Erscheinen von Zeit (oder ihrer Phänomenologie)?

Vergangenheit ist etwas, das jetzt ist, denn nur in der Gegenwart existiert etwas. Vergangenheit ist ein Konstrukt, aus den Residuen der Vergangenheit rekonstruiert und neu erzählt, immer wieder und immer aus dem Standpunkt jener Verjüngung der Sanduhr.

Zukunft, die ja noch nicht ist, kann für uns Seiende ebenfalls nur konstruiert werden, ebenfalls aus den Residuen der Vergangenheit und der daraus anzunehmenden Tendenz, existiert also ebenfalls jetzt.

Vergangenheit und Zukunft sind also existent im Jetzt, es gibt nichts anderes als die Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft ist etwas, das ausschließlich als Interpretation von im Jetzt existierenden, wirkenden Resten aus der Vergangenheit existiert. So existieren für uns Vergangenheit und Zukunft als etwas Subjektives, nur in unserem Denken existierendes. Wie alles in unserem Denken Existierende beschränkt sich diese Interpretation auf das, was wir heute, jetzt erinnern oder finden und für die Interpretation nutzen können.
Gegenwart ist demnach der Ort der Konstruktion von Vergangenheit und Zukunft, einer Konstruktion, die sich ständig ändert, einmal, weil die erwünschten Zukünfte von der Interpretation der Residuen der Vergangenheit abhängen, weil sie Weitererzählungen der Geschichte(n) über diese Residuen sind. Wenn es Geschichte gibt, gibt es sie jetzt, wenn es eine Zukunft gibt gibt es sie eben gerade jetzt, weil und insofern ich von ihr erzähle.

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