Vertrauen
Donnerstag, 14. August 2008 | Autor: Bernd
Es ist eine Sache, theoretisch über Sachverhalte zu sprechen, eine andere Sache, diese Sachverhalte wirklich zu erleben. So sehr dieser Satz als Theoretischer eine Platitüde, ein Allgemeinplatz ist, so schmerzhaft oder erhellend ist er als Wirklicher.
So finde ich viele Situationen als Ausdruck des Sachverhalts, dass diese Gesellschaft vor allem auf Vertrauen gegründet ist. Vertrauen in andere Menschen, Vertrauen in das Schicksal. Dieses Vertrauen kann auch als Gottvertrauen, als Fatalismus bezeichnet werden.
Alles in allem ist dieses Vertrauen völlig unbegründet. Die Erfahrungen, die Vertrauen rechtfertigen, werden aufgewogen durch Erfahrungen, die Vertrauen nicht rechtfertigen.
Dieser Sachverhalt lässt die Wahl immer bei uns. Die Wahl, Vertrauen zu haben oder nicht, ist ein freier Akt, der zu Glück oder Pech führen kann, was sich aber in der Regel erst viel später sicher herausstellt.
Das einzige Mittel also gegen den Fatalismus ist die Freiheit des Vertrauens, die bewusste Hingabe an das Schicksal, die gelassenen Schritte in eine Richtung, die als richtig angenommen wird, weil wir sie gerade jetzt als richtig bezeichnen.
So ist es eine Wahrheit der Sprachphilosophen, die schnell herausfanden, dass Sprechen ein freier Akt ist, vielleicht der einzige freie Akt. Und im Sprechen ist es das Benennen, das Vergeben von Namen, welches den freiesten Akt darstellt. Durch das Vergeben von Namen wird Schicksal determiniert: “Nomen est Omen”.
Dieses Wissen ist sehr alt: Adams erste freie Handlung ist das Benennen der Tiere und Dinge, durch die diese aus dem An-Sich-Sein in das Für-Ihn-Sein eintreten. Es gibt Vorstellungen, dass das Aussprechen des Namens Gottes eine strafbare Handlung ist.
Lilith, der einzige Mensch, die das bisher gewagt hat ist dafür mit lebenslanger Freiheit durch Verbannung bestraft/ belohnt worden. Einige glauben auch in ihrer Angst, dass das Aussprechen des wahren Namens Gottes, die richtige Pronunciation des Wortes “OM” sofort zum Ende der Welt führen würde, wohl weil mit dem Aussprechen des Namens Gottes durch seine Geschöpfe die Freiheit universal wird.
Vertrauen ist also ein Freiheitsakt, nicht nur deshalb, weil dieser Akt keine Begründung hat, es gibt natürlich ein Vertrauen, das sich auf gute Erfahrungen gründet und es gibt ein Vertrauen, welches sich auf Verträge gründet. Aber selbst dort ist die Zukunft offen und damit die Entscheidung für Vertrauen (also gegen Misstrauen) eine freie Entscheidung, frei von Sicherheit.
Gerade weil Adam ein Konstrukt ist, repräsentieren die Ideen, die hinter den Figuren Adam oder Lilith stehen, in ihrer Wirklichkeit eine lange Geschichte des Denken und Geschichtenerzählens. Deshalb nehme ich diese Geschichten als den historischen Gipfelpunkt jahrhundertelangen Erzählens, aufgeschrieben in den Büchern (die Moslems unterscheiden die Religionen in “Religionen die Bücher haben”, und solche die keine Bücher haben, die mit Büchern sind die fortschrittlicheren und -natürlich- der Koran das fortschrittlichste. Auch witzig: die Moslems berufen sich in ihrer Wahrheit darauf, dass ihr Prophet der Jüngste ist, die anderen Religionen versuchen die Ältesten zu sein).
OM ist eigentlich noch mehr als nur der Name Gottes, es ist der Urlaut aus dem das Universum entstanden ist und in den es zurück gehen wird. Aus dem OM entsteht das Nomen, das Phänomen, das Omen. Am Anfang war das Wort … ist eine Vermutung, die im ältesten, dem lebendigen Jesus von Nazareth nahesten Buch des neuen Testaments, dem Johannesevangelium ausgesprochen wird.
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