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Freiheit vs. Willkür

Samstag, 26. Juli 2008 | Autor: Bernd

Die Grenze der Freiheit ist nicht die Notwendigkeit, sondern die Willkür! (Toth nach Spinoza)

Weil jegliche Freiheit des Willens nur beschnitten werden kann durch andere Freie Willen, welche mich daran hindern zu dürfen oder zu können ist der Freiheitsgrad ein Ergebnis des Aushaltens, der Toleranz oder der Verhandlung, niemals aber des Durchsetzens.

Freiheit scheint so nur als vollständig passiv diskutierbar zu sein. Das heisst nicht, dass es zur Durchsetzung der Freiheit nicht der Aktion des Willens bedarf. Nur, diese Aktion selbst ist nicht frei sondern notwendig. Die Not zu wenden ist ein unabweisbarer Akt, zu dem ich im Interesse meiner Freiheit verurteilt bin. Ich begebe mich in Abhängigkeit von einer definierten Notwendigkeit um die Freiheit zu erlangen. Ist die Freiheit jedoch erlangt muss ich die Notwendigkeit abstreifen, das meint, jegliches Wollen durch Hingabe an die Natur der Sache ersetzen.

Das Gegenteil der ehernen Notwendigkeit ist die Freiheit des Wassers, das die Schärfe einer Schneide nie spüren kann, weil eine Schneide für das Wasser nicht existiert, das sich einfügt in eine Kontur wie der sanfte Atem eines Pferdes sich einfügt in meinen Atem.

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Der Name des Scheins im Spiegel

Sonntag, 1. Juli 2007 | Autor: Bernd

Auf die (psycho-)analytisch erste Frage, die sich in der Regel auf das Sein bezieht: “Wer bist du?” erhalten wir als Antwort typischerweise nur den Namen einer Sache oder eines Sachverhaltes. Genau genommen erhalten wir auf die Frage nach dem Wesen einer Sache eine Antwort, die den Namen des Scheins einer Sache enthält: “Ich bin Martin!”

Auf die vertiefenden Fragen: “Und was bist du wirklich …?” oder “Wer bist du wirklich?” folgt die Verwendung weiterer Nominalisierungen, die in ihrer Konkretheit ein Bild ergeben, mittels dem wir uns ab einem gewissen, je nach Objekt verschiedenen, Grad von Komplexität zufrieden geben: “Ich bin Tischler, habe ein Haus und zwei Kinder, meine Frau lebt von mir getrennt …” (Das heisst im Klartext: Meinen Beruf nennt man Tischler, ich bin der der zwei Kinder hat, ich bin einer, der getrennt von seiner Frau lebt … u.s.w.).

Trotz – und weil – die Frage nach dem Sein der diskutierten Sache immer noch nicht beantwortet ist, weil sie zu abstrakt gestellt wurde, geben wir uns ziemlich schnell ungeduldig mit dem Bild das uns eine/-r von sich gibt, zufrieden.

Doch woher hat der Befragte das Bild? Was beschreibt er da? Wir wissen mittlerweile, dass die Realität, die beschrieben werden kann, die jeweilige Form der Repräsentanz von Wirklichkeit im Hirn des Befragten ist – subjektive Realität. Wir erfahren also gar nichts über die objektive Realität eines Dinges, sondern etwas über die Vorstellung des Dings im subjektiven Bewusstsein des Befragten.

Diese Vorstellungen kommen aus dem Spiegel, den uns Andere liefern. Alle Erfahrungen über uns stammen von anderen Menschen oder von der Wirklichkeit, die andere Dinge (Nicht-Ich, Nichtse) für uns haben. Selbst Dinge, die wir selbst gemacht haben, Kinder oder Werke oder Zerstörungen sind im Moment des Wahrnehmens Anderes – Fremdes.

Da wir selbst Andere für die Anderen sind, finden wir rasch partielle Ähnlichkeiten mit unserer Wahrnehmung, ähnlich jener aus welcher das befragte Ich sein Selbstbild bezogen hat.

“Der durch das Spiegelbild gestiftete Beginn meiner Identität ist zugleich der Beginn meiner Alienation – der Andersheit meiner selbst”, sagt Lacan.

Diese partielle, immer zerstückelte, Wahrnehmung erinnert das Subjekt jedoch unangenehm und schmerzhaft an die Zerstückelung, die es vor der Befragung des Spiegels an sich erfahren hat (Wir haben mit einiger Sicherheit nur einige Teile von uns wahrnehmen können, unsere Hände, Füsse, Teile unseres Leibes, nicht aber unsere Ohren oder unseren Hinterkopf oder das Innere unserer Leiber).

Aus dieser Wahrnehmung zieht das Subjekt das Begehren nach Ganzheit, nach der Aufhebung der Zerstückelung.

Da der Spiegel aber der Spiegel von Anderen ist über die wir keine oder nur eingeschränkte Macht besitzen, sind jene, sosehr wir ihrer Meinung als Spiegel bedürfen, Quelle von Schmerz, Fortsetzung der Zerstückelung, der Entfremdung, des Mangels – damit Gegenstand des Begehrens.

Die Hölle, das sind die Anderen, die wir begehren – könnte eine Erweiterung von Sartre’s Satz lauten.

“Sein heißt – wahrgenommen werden”, so verstehe ich hier Berkeley.

Ob allerdings die unangenehme Seite der Abhängigkeit dominierend sein muss, bezweifle ich. Im Spiel der gegenseitigen Abhängigkeiten entfalten sich Trauer und Freude, Leiden und Tat. Die Entscheidung, was als welches gilt liegt in vielen Fällen bei uns:

“Denn man muss vor allem festhalten, daß es ein und dasselbe Begehren ist, wonach der Mensch sowohl als handelnd wie als leidend gilt.” (Spinoza)

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