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Äusserung und Hölle

Mittwoch, 31. Oktober 2007 | Autor: Bernd

Wer sich äussert, setzt sich der Beurteilung anderer aus, der Hölle auf Erden. Deshalb bleibt denen die sich äussern nur das Schweigen oder das Geschwätz. Solche, mit denen wirklich geredet werden kann sind seltener als Diamanten.

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Der Name des Scheins im Spiegel

Sonntag, 1. Juli 2007 | Autor: Bernd

Auf die (psycho-)analytisch erste Frage, die sich in der Regel auf das Sein bezieht: “Wer bist du?” erhalten wir als Antwort typischerweise nur den Namen einer Sache oder eines Sachverhaltes. Genau genommen erhalten wir auf die Frage nach dem Wesen einer Sache eine Antwort, die den Namen des Scheins einer Sache enthält: “Ich bin Martin!”

Auf die vertiefenden Fragen: “Und was bist du wirklich …?” oder “Wer bist du wirklich?” folgt die Verwendung weiterer Nominalisierungen, die in ihrer Konkretheit ein Bild ergeben, mittels dem wir uns ab einem gewissen, je nach Objekt verschiedenen, Grad von Komplexität zufrieden geben: “Ich bin Tischler, habe ein Haus und zwei Kinder, meine Frau lebt von mir getrennt …” (Das heisst im Klartext: Meinen Beruf nennt man Tischler, ich bin der der zwei Kinder hat, ich bin einer, der getrennt von seiner Frau lebt … u.s.w.).

Trotz – und weil – die Frage nach dem Sein der diskutierten Sache immer noch nicht beantwortet ist, weil sie zu abstrakt gestellt wurde, geben wir uns ziemlich schnell ungeduldig mit dem Bild das uns eine/-r von sich gibt, zufrieden.

Doch woher hat der Befragte das Bild? Was beschreibt er da? Wir wissen mittlerweile, dass die Realität, die beschrieben werden kann, die jeweilige Form der Repräsentanz von Wirklichkeit im Hirn des Befragten ist – subjektive Realität. Wir erfahren also gar nichts über die objektive Realität eines Dinges, sondern etwas über die Vorstellung des Dings im subjektiven Bewusstsein des Befragten.

Diese Vorstellungen kommen aus dem Spiegel, den uns Andere liefern. Alle Erfahrungen über uns stammen von anderen Menschen oder von der Wirklichkeit, die andere Dinge (Nicht-Ich, Nichtse) für uns haben. Selbst Dinge, die wir selbst gemacht haben, Kinder oder Werke oder Zerstörungen sind im Moment des Wahrnehmens Anderes – Fremdes.

Da wir selbst Andere für die Anderen sind, finden wir rasch partielle Ähnlichkeiten mit unserer Wahrnehmung, ähnlich jener aus welcher das befragte Ich sein Selbstbild bezogen hat.

“Der durch das Spiegelbild gestiftete Beginn meiner Identität ist zugleich der Beginn meiner Alienation – der Andersheit meiner selbst”, sagt Lacan.

Diese partielle, immer zerstückelte, Wahrnehmung erinnert das Subjekt jedoch unangenehm und schmerzhaft an die Zerstückelung, die es vor der Befragung des Spiegels an sich erfahren hat (Wir haben mit einiger Sicherheit nur einige Teile von uns wahrnehmen können, unsere Hände, Füsse, Teile unseres Leibes, nicht aber unsere Ohren oder unseren Hinterkopf oder das Innere unserer Leiber).

Aus dieser Wahrnehmung zieht das Subjekt das Begehren nach Ganzheit, nach der Aufhebung der Zerstückelung.

Da der Spiegel aber der Spiegel von Anderen ist über die wir keine oder nur eingeschränkte Macht besitzen, sind jene, sosehr wir ihrer Meinung als Spiegel bedürfen, Quelle von Schmerz, Fortsetzung der Zerstückelung, der Entfremdung, des Mangels – damit Gegenstand des Begehrens.

Die Hölle, das sind die Anderen, die wir begehren – könnte eine Erweiterung von Sartre’s Satz lauten.

“Sein heißt – wahrgenommen werden”, so verstehe ich hier Berkeley.

Ob allerdings die unangenehme Seite der Abhängigkeit dominierend sein muss, bezweifle ich. Im Spiel der gegenseitigen Abhängigkeiten entfalten sich Trauer und Freude, Leiden und Tat. Die Entscheidung, was als welches gilt liegt in vielen Fällen bei uns:

“Denn man muss vor allem festhalten, daß es ein und dasselbe Begehren ist, wonach der Mensch sowohl als handelnd wie als leidend gilt.” (Spinoza)

Thema: Essays | Ein Kommentar