Die Pädagogik hat sich historisch mit der Hinzunahme immer breiterer Schichten der Bevölkerung entwickelt. Waren es bekanntlich im Griechenland der Philosophen nur einige Knaben der begüterten Bürger der Polis, der Stadt, die einen Begleiter, einen Führer hatten (paideia = Erziehung, Bildung bzw. pais = Knabe, Kind + agogein = führen), wurden in jeder Epoche mehr Kinder in die frühe systematische Schule einbezogen. Damals waren die Lehrer oft Sklaven, und begriffen sich selbst als Begleiter der Knaben, jetzt sind Lehrer oft Beamte des Staates und begreifen sich mitunter oder gar oft als Herrscher über die Kinder. Die gegenläufigen Tendenzen in jüngster Zeit, in der die Verbeamtung zurückgefahren wird und die Lehrer sich den Kindern mehr zuwenden und sich wieder öfter als Begleiter präsentieren, sind hoffnungsvolle Anfänge.
Später kamen auch Ausländer für Bildung in Betracht, dann Mädchen und Frauen, Kinder ärmerer Menschen, die Erwachsenen, die Behinderten, die Begabten, die Menschen über 50. Mit dem Konzept des lebenslangen Lernens wird nicht nur die personelle, sondern auch die zeitliche Schranke der Bildung überwunden, einer Bildung, die angelegt war aus dem rohen Stein mit Gewalt und Behutsamkeit den Diamanten des Intellekts zu schleifen, der dann ins Leben entlassen wurde. “Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!”‘ war schon immer ein in vielfacher Hinsicht entlarvender Slogan: Wieso, hatte sich die Schule so entwickelt, dass das Lernen stattfand um übermächtige und besserwisserische Lehrer zu befriedigen, und die Kinder unzufrieden zu lassen? Wieso sollte das Lernen nach der Schule beendet sein? Generationen von Lehrern und Lehrerinnen scheinen in die Schulen gegangen zu sein, um sich für die Demütigungen ihrer Kindheit an den Kindern zu rächen, nicht aus Liebe zu den Kindern sondern mit Machtwillen, Hass und Angst! Und es muss erst betont werden, gelernt werden, dass nicht die Zufriedenheit der Lehrer, sondern der praktische Nutzen für die Lerner Erfolgsmassstab ist.
Immer noch begreift sich Bildung vorrangig als Bild–ung also als das Formen von Menschen nach einem (vorausgesetzten) Bilde. Besonderheit, eigene Bilder, Selbstbilder, Differenzierung sind da nicht oder nur schwer denkbar.
Benachteiligte, Lernbehinderte, Begabte oder Hochbegabte sind Gruppen, die sich von dieser Schule selbst ausschließen, sei es durch Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeits-Defizit-Sydrom!!) oder sei es durch Schulverweigerung oder Abbruch.