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Drei Stufen der Erkenntnis

Freitag, 20. November 2009 | Autor: Bernd

Drei Stufen gibt es im Erkenntnisprozess:

  1. Glauben – Reaktion
  2. Zweifel – Revolution
  3. Wissen – Konservation

Durch diese Stufen müssen wir immer durch,  wir haben keine Chance, nicht beim einfachsten Gedanken, das Schlimmste was uns passieren kann ist, dass wir auf einer Stufe hängen bleiben (Gläubiger, Skeptiker, Lehrer). Nur der Weise (oder natürlich DIE Weise) kann aus diesem Prozess heraustreten UND gleichzeitig in der Spirale der Entwicklung der Erkenntnis aufsteigen.

Und dann geht es wieder von Vorne los, denn das Wissen wird Glauben.

weiter…

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Die Mauer ist nicht gefallen

Samstag, 10. Oktober 2009 | Autor: Bernd

Es ist interessant, die Wortwahl zu historischen Ereignissen über die Jahre zu vergleichen.

So: “Der Fall der (Berliner) Mauer 1989” der jetzt mit den zwanzigsten Jahrestag gefeiert wird.
Wer sagt das? Oft gerade diejenigen, welche am Wenigsten für die Zerstörung der Mauer getan haben und oft auch jetzt noch am meisten dafür tun, die Mauer aufrecht zu erhalten.

Ich bin der Meinung, das war damals kein Naturprozess, der den Menschen zugestossen ist, sondern eine aktive Tat und Entscheidung praktisch der gesamten Bevölkerung der DDR. Es ist dem Westen zugestossen, so wie es schon beim Bau der Mauer war.

Auch damals hatten die Adenauer’s und die Krenze vorher und währenddessen geschlafen und nichts bemerkt, aber dafür später mehr oder weniger erfolgreich versucht, ihren Profit aus der Existenz dieses Bauwerks zu schlagen, so wie die Enkel Adenauers aus seiner Zerstörung auch.

Der Bau wie die Zerstörung der (Berliner) Mauer war Menschenwerk, bewusstes massenhaftes Handeln, oft unter akuter Gefahr für Leib und Leben. Das Phänomen der “Mauerspechte” zeugt davon, wie wenig beherrschbar durch Einzelherrscher solche Prozesse sind. Wer diese deshalb aber jetzt zu einem Naturprozess umredet, gibt ironischer Weise den stalinistischen, vulgärmarxistischen Interpreten von Karl Marx recht, welche historische Bewegungen auf  naturgeschichtliche Prozesse reduzieren möchten und so Erdbeben, Pest, Kriege und Revolutionen auf die gleiche Stufe stellen.

Wir wissen, wer es liebt, vom Ausbruch von Kriegen zu reden und wer auf der anderen Seite vorzieht, Kriege als von Menschen angezettelt, vorbereitet und “vom Zaune gebrochen” zu bezeichnen.

Was hier nicht verstanden wird oder verstanden werden will, ist die Dialektik der ganzen Sache, in der sich über das freie Handeln von Menschen gesellschaftliche Prozesse auf naturgeschichtliche Weise durchsetzen. Dafür müsste man freilich Karl Marx lesen, statt ihn nur zu hassen und zu verdammen.

Als ich damals im Oktober 1989 von Studenten gefragt wurde, was ich von dieser Bewegung hielte, antwortete ich mit Nietzsche: “Ich misstraue Massenbewegungen …”

vgl. auch dieses Interview mit Egon Krenz und die Diskussion dazu

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Ja Ja und Nein Nein oder das Verhältnis von Dialektik und Logik

Samstag, 6. Oktober 2007 | Autor: Bernd

In seiner berühmten Bergpredigt belehrt Jesus von Nazareth seine Jünger (nicht, wie oft behauptet, alle Menschen) in einer Art “Propagandistenschulung” unter anderem zum Thema “Schwören”:

“Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.” Matthäus 5,37

Widerspricht das eigentlich einer Dialektik, nach der die Identität der Gegensätze (Kampf und Einheit) eine eher alltägliche, normale und die Unterscheidung der Gegensätze eher der Sonderfall sind?

Eine Definition der “Metaphysik” ist die Darstellung als undialektische, eben nach Kategorien unterschiedene, festgelegte Ja, Ja; Nein, Nein Philosophie.

So geht die formale Logik und die euklidische Geometrie vom Grundsatz der Widerspruchsfreiheit aus, wie sie bei Aristoteles ausgedrückt wird:

„Doch das sicherste Prinzip von allen ist das, bei dem eine Täuschung unmöglich ist [...] Welches das aber ist, wollen wir nun angeben: Denn es ist unmöglich, dass dasselbe demselben in derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme. [...] Doch wir haben eben angenommen, es sei unmöglich, dass etwas zugleich sei und nicht sei.“Aristoteles: Metaphysik 1005b

 

Jesus’ Aufforderung ist mit dieser Vorstellungswelt verbunden. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es sich hier um eine Annahme handelt. Diese Annahme wird aus pragmatischen Gründen axiomatisch ins Denken eingeführt und als moralischer Grundsatz genutzt.

In der Wirklichkeit ist Ja und Nein immer miteinander verbunden, untrennbar. Ein Gegenstand, der sich bewegt, kann in seiner Bewegung nur beschrieben werden als gleichzeitig an einem Ort und nicht an diesem Ort seiend. Alle anderen Annahmen führen zu unauflösbaren Widersprüchlichkeiten, wie Zenon von Elea in seinen Aporien zeigte.

Der Witz ist hier die pragmatische Empfehlung, einen Standpunkt in einer fliessenden, sich bewegenden Welt einzunehmen. Ein Standpunkt um eines Standpunktes willen ist allerdings sinnlos. Es bedarf eines Zwecks, einer Nutzensabwägung. Dies ist der pragmatische Aspekt.

Dieser pragmatische Aspekt, den Jesus seinen Jüngern nahelegen will beschreibt den Sonderfall, bei dem Widerspruchsfreiheit zu ethisch gutem Handeln führen kann, was auch immer “gut” bedeuten mag. Ähnlichkeit besteht hier zu dem Sonderfall der Newtonschen Mechanik, die ja hinreichend für den praktischen Alltag der meisten Menschen gilt, auch wenn ihre Genauigkeit bei höheren Geschwindigkeiten oder in der Nähe des planckschen Wirkungsquantums, also für die Atomphysik oder für Weltraumflüge pragmatisch nicht mehr ausreichend ist und deshalb durch eine andere Mechanik, hier die Quantenmechanik, erweitert wird.

Wichtig ist, zu begreifen, dass hier nicht die Ungültigkeit der Newtonschen oder Euklidschen oder Marxschen Thesen nachgewiesen wird, sondern nur die pragmatischen Grenzen ihrer Gültigkeit, i.e. hinreichenden Nutzbarkeit gezeigt werden.

Deswegen ist die Widerlegung der Religion durch die Philosophie, die Widerlegung des Idealismus durch den dialektischen Materialismus, des dialektischen Materialismus durch moderne Phänomenologie oder Sprachtheorie jeweils immer auch eine Aufhebung, ein Hinweisen auf wenn auch begrenzte Gültigkeit der jeweiligen Theorien. Dieses Aufheben ist eine Kernthese der Dialektik, wie sie durch Hegel und Marx in das moderne Denken hineingebracht wurde.

Wir finden hier die Gründe dafür, dass wirklich philosophisch denkende Menschen überhaupt nicht an Feinden sondern überaus an Gegnern interessiert sind. Gegner sind Menschen, die, wenn wir uns mit ihnen oder ihren Auffassungen auseinandersetzen, uns bereichern. Gegner sind notwendige Gegenparts, sind die besten Freunde der Philosophen.

Wehe den Philosophen, die keine Gegner kennen , sie kennen sich selbst nicht!

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Revolutionstheorie und Marketing oder Millionen können nicht irren!

Donnerstag, 6. September 2007 | Autor: Bernd

Wenn die Masse der Menschen recht hat, dann:

  • ist das eigene Auto ein Zeichen von Wohlstand,
  • ist Rauchen von Nikotin cool,
  • ist die Bild-Zeitung eine Informationsquelle,
  • ist Eigennutz der wichtigste Antrieb für die Menschen,
  • ist der Creationismus eine Alternative zum Darwinismus,
  • ist Nahrung um so besser, je mehr Zusatzstoffe hinzugefügt wurden,
  • ist der Raub die beste Erwerbsquelle,
  • sind Wissenschaftler bestenfalls nützliche Idioten,
  • ist Fernsehen Kultur,
  • ist billig geil,
  • ist Geldbesitz das Ziel unserer Anstrengungen,
  • ist Liebe Prostitution (aussereheliche oder innereheliche)
  • sind Frauen …
  • sind Männer …
  • ist das Internet gefährlich,
  • ist der Terrorismus die zur Zeit größte Bedrohung der Menschheit,
  • ist Anders sein immer ein Verbrechen oder wenigstens nahe dran,
  • sind Anzüge und Krawatten ein Zeichen von Seriosität,
  • … (bitte ergänzen)

Was heisst es also, dass die Masse recht hat? Die Antwort ist schwierig, weil von ihr auch die Haltung zu Demokratie oder Despotie abhängt. Platon’s Lösung, nur Philosophen zu Despoten zu machen, hat zumindest in den Fällen von Friedrich II oder Stalin nicht ganz geklappt …

Eine Idee, “… die Theorie wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Masse ergreift” sagt, Karl Marx.

Das gilt für Revolutionen wie für das Marketing. Die richtig grosse, wirkliche, nicht nur theoretische Umwälzung wie der wirklich grosse, nicht nur theoretische Umsatz erfolgt, wenn die Idee die Masse ergreift, wenn die Theorie durch massenhaftes Verhalten wirklich, praktisch wird.

Wir haben also wieder mal zu unterscheiden:

“Recht haben” ist eine Frage des Geistes, der Forschung, des Wissens – damit das Refugium der Einzelnen, Einzigen. “Recht bekommen” ist eine Frage der Macht, damit der Masse.

Demokratie ist eine Ausübungsform von Macht, damit zu Recht an Masse gebunden. Demokratie kann deshalb und, das ist nun allerdings Meinung, sollte zur Durchsetzung von Ideen dienen, nicht zur Bewertung von Ideen. Eine Abstimmung über den Wert eines Werkes, so wie wir es bei den sog. Einschaltquoten finden, führt immer zur Vernichtung des Kunstwertes, zur Verflachung.

Ein gutes Produkt haben ist eine Frage des Geistes, damit Umsatz zu machen ist eine Frage der Massenhaftigkeit und Massenkompatibilität.

Eine Abstimmung über die Richtigkeit eines wissenschaftlichen Ansatzes ist so lächerlich, dass dieser Gedanke nirgendwo diskutiert wird, nirgendwo …

Die Qualität eines Produktes wie einer Idee kann deshalb nicht aus Umsatz- oder Verbreitungszahlen abgeleitet werden. Das sind nur quantitative Aspekte. Für die Qualität ist der oder die Einzelne, für die Quantität die Masse zuständig. Dies auch aus dem Grunde, weil die Massenhaftigkeit oder Verbreitung so oft vom Zufall, von nebensächlichen Eigenschaften und Ereignissen abhängt.

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Religion und andere Opiate

Dienstag, 31. Juli 2007 | Autor: Bernd

Vieles, was sich über Religion sagen lässt, erschließt sich aus dem Umgang mit einem Satz von Karl Marx, den er als junger Mann schon gefunden hat. Marx sagt:

“Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.” (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. Marx/Engels-Werke, Bd. 1, 378ff.)

Das Eigenartige ist, dass dieser Satz in der Regel falsch zitiert wird, nämlich als: “Religion ist Opium für das Volk.”

Dabei liegt in der Art der Auffassung des Textes die Grundhaltung zur Religion:

Für Karl Marx ist Religion etwas, das das Volk für sich selbst macht, ebenso wie Opium, Alkohol und andere Rauschmittel um seine Ketten ertragen zu können oder wie Blumen, um die Ketten wenigstens zu verschönern.

Für die Falschzitierer ist Religion etwas, das Andere (der Staat, die Kirche, die drei “Betrüger” Jesus, Buddha und Mohammed – nach einer Streitschrift aus dem 16. Jahrhundert [auch hier] ) für das Volk gemacht haben um es zu verdummen und durch Angst klein zu halten.

In seinem Fall hoffte Marx, durch Schulung, Aufklärung, Wissenserweiterung dem Volk die Ketten unter den Blumen sichtbar zu machen. Er war sich der Härte dieser Massnahme bewußt. Ebenso wie ein Alkoholkranker oder ein Opiumsüchtiger alles tun wird, um seinen berauschten Zustand wiederherzustellen, wird auch das Volk immer wieder dazu tendieren, sich alte und neue Religionen zu schaffen, so wie es sich trotz Verboten und Verfolgung Alkohol selbst brennt oder Haschisch selbst zieht. Was er nicht ahnte, war, dass auch der Kommunismus vom Volk zur Religion gemacht werden würde.

Vom Standpunkt der Falschzitierer – die sich in allen Lagern finden, von den Feinden des Marxismus bis hin zu den sich selbst so nennenden Marxisten – muss gegen die Volksverdummung mittels Religion angegangen werden. Die “Verdummer”: Theologen, Priester, Imame, Mönche, Lamas werden zu Verbrechern gestempelt, die vernichtet werden müssen, deren Einrichtungen, Kirchen, Moscheen u.s.w. zerstört gehören. Den Betrügern muss das Handwerk gelegt werden.

Wie wir aus der Geschichte sehen, haben sich, auch unter dem Namen des Kommunismus, die Falschzitierer, die Vertreter der Betrugshypothese durchgesetzt.

Dass das weder Marx meinte noch Marxismus ist liegt auf der Hand. Es ist eine These, die in der Ursprungszeit der bürgerlichen, der kapitalistischen Welt entstanden ist und von bürgerlichen Theoretikern und Religionskritikern immer wieder vertreten wird, auch wenn diese sich Marxisten oder Kommunisten nennen.

Die Betrugshypothese ist keine marxistische Aussage, sondern eine vulgärbürgerliche Hetzparole, die zum Tode von vielen geistreichen und klugen Menschen geführt hat, zur Zerstörung von kulturellen Werten – und das war wohl auch das eigentliche Ziel dieser Parole und das ihrer Nutzer.

Kein Wunder, dass sich alle Diktatoren, ob Stalin oder Hitler oder Mao in dieser Sache einig waren.

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