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Copy-clock and copy-handbags

Samstag, 1. November 2008 | Autor: Bernd

Wenn ich in Dubai durch den Gold-Suk gehe, sprechen mich junge Männer mit raschen Worten an: Copy-clocks, Copy-handbags, Pashmere?

So wie die Natur die Krankheit ersonnen hat, um uns auf die Vergänglichkeit und Schwäche unseres Leibes aufmerksam zu machen, haben unsere Händler das Surrogat erfunden, um uns als Kunden zu erhalten.

Wenn uns Erfüllungen von Versprechen versprochen werden, bedeutet das noch lange nicht, dass uns die Versprechungen erfüllt werden. Es ist das alte Marketing-Problem der Erfüllung: ein erfülltes Begehren ist ein gestilltes Begehren, ein gestilltes Begehren verlangt nicht nach Befriedigung, ist also das Ende des Begehrens und damit nur noch theoretisch existent. Eine versprochene Erfüllung ist ein Begehren, welches hält, so lange es nicht erfüllt wird. Der Spalt zwischen den Versprechen und der Erfüllung, den wir als Sehnsucht bezeichnen, ist der Ort wo die Warenwelt hineinfliesst, ohne den Spalt je schliessen zu können und zu sollen. Ein zufriedener Kunde ist ein Kunde, der nicht mehr kauft weil er seinen Frieden hat mit dem, was er gekauft hat. Ein zufriedener Kunde ist kein Kunde mehr, allein der Begriff ist so schon absurd.

Begehren muss aufrecht erhalten werden, nicht gestillt und wenn gestillt, dann so wie es Drogen tun, das Stillen des Begehrens muss noch tiefere Wunden reissen, je mehr ich esse, desto mehr Hunger muss ich bekommen. Nur das ist wirtschaftlich.

Deshalb sind so viele Händler selbstverständlich nicht an der Befriedigung der wirklichen Wünsche ihrer Kunden interessiert, denn es wäre das Ende ihrer Geschäfte. “Der Kunde ist König” – dieser Spruch entlarvt, vom rechten Blickwinkel betrachtet, denn was macht ein Händler mit seinem König? Er verkauft ihm Luxusartikel, die er nicht braucht, prellt ihn um seine Steuern und versucht ihn durch Kredite abhängig zu machen und seine Entscheidungen zu beeinflussen.

Deshalb sind aber auch so viele Kunden gar nicht wirklich an der Befriedigung ihrer Bedürfnisse interessiert, es wäre ja das Ende ihres Spiels, das Ende ihres Sehnens.

So haben wir hier ein homogenes Verhältnis, in dem beide Seiten unglücklich werden – manche nennen so was Weltwirtschaft.

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Lust

Sonntag, 26. August 2007 | Autor: Bernd

Lust ist sich realisierendes Begehren.

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Das Begehren und das Paradies

Mittwoch, 15. August 2007 | Autor: Bernd

Begehren ist zweierlei: Begehren nach dem was ich noch nicht habe oder Begehren nach dem was ich nicht mehr habe. Das was ich habe, darauf richtet sich kein Begehren. Das Eine ist die Utopie – der „Kein Ort – das Überall“. Das Andere ist das Paradies – der Garten, das Umfriedete, die Nicht-Wüste.

Drei Stufen gibt es zum Paradies: Die Mühen des Weges, die Ängste des Tores und die (Ent)täuschung der Erfüllung.

Der Ort des Paradieses und seine Weise ist erinnerbar, Wasser genügend und Pflanzen, Tiere und Frieden, friedliches Miteinander ohne Wut und Begehren.

Das Begehren kommt erst durch das Verbot Gottes. Nicht diese Frucht von diesem Baum! Ohne das Verbot kein Begehren. Warum tut er (oder Sie?) das? Die Schlange verstärkt das Begehren nur. Sie zeigt, macht einen Vorschlag. Die Entscheidung liegt bei Eva und führt zur Scheidung – zur Trennung vom falschen Paradies, der Hölle der ewigen Befriedigung und zum Leben im wahren Paradies des ewigen Begehrens.

Die Mühe

Evas zweite Entscheidung ist deshalb – Eva folgt Adam:

Mit dir zu geh’n ist Paradiesverweilen, doch ohne dich wär hier selbst höchste Pein.(” In me is no delay; with thee to go,Is to stay here; without thee here to stay,Is to go hence unwilling; thou to meArt all things under Heaven, all places thou, “John Milton. Paradise Lost. Book XII)

Aus dem Begehren folgt Mühe, die ich mir mache. Die Summe dieser Mühen ist Kultur, Technik, Wissenschaft. Alles Mittel, Mittler, Abstand zwischen mir und dem Begehrten. Die Glücklichen unter uns haben verstanden, dass das Begehren seliger macht als die Erfüllung. Das Mittel ist wichtiger als das Ziel. Je mehr Mittel zwischen mir und dem Begehren liegen, desto größer der Genuss. Das Auto ist wichtiger als das Reiseziel, die Liebe wichtiger als der Orgasmus, der Weg wichtiger als das Ziel. Ganze Völker begreifen das und bieten sich als Nomaden, Scouts, Lastenträger, Sherpas den Zielstrebigen an. Wohl wissend, dass der Sehnsuchtsvolle beim Erreichen des Ziels bestenfalls seine Sehnsucht verliert, halten sie sich in der Rolle der Gewinner, sie gewinnen immer. Ein neuer Weg ergibt sich mit jedem Schritt den ich tue.

Hat uns der Verlust des Paradieses aus dem Ummauerten ins Freie, in die Wüste gewiesen, treibt uns die Sehnsucht ins Ummauerte. Vor dem Paradies aber steht der Wächter.

Die Hoffnung

Das Tor zum Paradies ist die Hoffnung. Der Wächter, das wissen wir seit Kafka, lässt uns nicht ein, auch wenn das Tor nur für uns bestimmt ist. Er weiß, dass die Hoffnung erhalten, das Begehren unerfüllt bleiben muss um uns im Glück zu halten. Er weiß, dass hinter dem Tor nichts ist, das Paradies nur eine Ansammlung von weiteren Kästen, Einfriedungen, Umfriedungen.

Wir wollen den Wächter nicht verstehen, wir sehen, hören, fühlen einfach nicht hin. Wir wollen durch’ s Tor, Türen aufstoßen, Mauern niederreißen.

Hier geschieht nun so viel Menschliches, wir produzieren unsere Vorzüge und verstecken unsere Nachteile. Wir kriechen wie die Ratten und tanzen wie die Affen. Auch hier gibt es jene, die begriffen haben, wo der eigentliche Sinn liegt. Jene Taschendiebe des Glücks, die davon leben, dass der Sehnsuchtsvolle, Hoffende abgelenkt ist vom wirklich Wichtigen – erleichtern eben diesen um dieses Wichtige, schneiden den Beutel, nehmen, was nicht geachtet wird, um sich selbst ein Leben zu geben.

Die Erfüllung/ Enttäuschung

Und schließlich da wir das Tor aufgestoßen, die Mauer niedergerissen haben, begreifen wir auf grausame Weise, dass da nichts ist das es wert war, die Tür aufzustoßen, die Mauer niederzureißen.

Gott hat sich natürlich was gedacht, als er uns mit des Lichtbringers Hilfe auf Grund unserer eigenen Entscheidung aus dem Paradies verjagte: Schluss mit dem sinnlosen, begehrungslosen Dasein. Der entscheidende kleine Schritt ist der aus der Norm in die schmerzhafte, begehrensreiche, mühselige, glückliche Freiheit der ganzen Welt.

Hinaus ins Offene!

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