Wittgenstein, der sonst für mich ganz verständlich schreibt, schreibt im Abschnitt 6 des “Tractatus logico-philosophicus”:
Die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion ist: [p, ξ, N(ξ)].
Dies ist die allgemeine Form des Satzes. (vgl. hier)
Hier ist ein Punkt, wo mein Verständnis aufhört. Warum? Ich weiss nicht was p, ξ und N in der Formelsprache Wittgensteins bedeuten.
Mir fehlen hier die Referenzindizes. Was das schon wieder ist? Schaut hier. Immer noch keine Ahnung? Ist doch mal wieder typisch, dass die “wissenschaftliche” Erklärung eines Begriffes noch mehr fehlende Referenzindizes enthält, als der Begriff, über den wir nichts wissen.
Das Geheimnis ist die Antwort auf die Fragen:
- Worüber wird eigentlich gesprochen?
- Welche Worte, welche Sprache, wird verwendet?
- Wird mir geholfen, diese Sprache zu lernen?
- Warum nicht?
Wenn wir etwas hören oder lesen, für das uns der Referenzindex fehlt, von dem wir also nicht wissen, was es bedeutet (wohin der Zeiger, der Index zeigt, deutet) entsteht ein Loch in unserer Wahrnehmung, wir merken, dass da etwas nicht ist. Da unsere Natur einen Horror vacui (Angst vor der Leere) hat, entsteht das Bedürfnis, das Begehren, dieses Loch zu füllen.
Zum Umgang mit dieser Leere gibt es drei Wege:
- PAL - ich mache es zum Problem Anderer Leute, indem ich die nerve oder davon ausgehe, dass mich dieses mein Unwissen nichts angeht. Das erzeugt aber in mir ein unterbewusstes Mangelbewusstsein welches wiederum dazu führt, dass ich den Wissenden verachten, herabwürdigen und/ oder fürchten muss.
- Ich begebe mich in einen hypnotischen Zustand und bin geöffnet, bereit, jede beliebige Erklärung zu akzeptieren ohne weiter nachzufragen. Das ist der religiöse oder mystische Weg.
- Ich beginne die Referenzen zu suchen, das heisst, das Verständnis des Textes durch das Auffinden der Bedeutungen, der Meinungen, der Kontexte zu erlangen. Das ist der wissenschaftliche Weg.
Variante 1 ist die Alltagsvariante, weil sie mir erspart zu forschen und ermöglicht, mich über andere zu erheben.
Variante 2 ist eine Technik, welche in der Psychotherapie und in der Pädagogik angewandt wird um die Kunden und Schüler/-innen aufnahmebereit für meine Aussagen zu machen.
Variante 3 ist am anstrengendsten, führt aber auch am weitesten. Deshalb wird sie von den wenigsten Menschen gewählt. Bei Wittgenstein, der ein wahrer Wissenschaftler ist, werden diese Zeichen in den vorhergehenden Abschnitten (4) erklärt. Aber auch hier benötige ich Referenzen aus der zu seiner Zeit üblichen Formelsprache in der Logik. Ich erfahre von einem Herrn namens Frege, der unrecht gehabt haben soll u.s.w., kurz, ich muss mich auf eine Reise begeben, die anstrengend ist und die Gefahr in sich birgt, dass ich etwas lerne und damit meinen Bereich des Unwissens ausdehne.