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Beiträge vom » November, 2008 «

Recht haben und Recht bekommen

Mittwoch, 19. November 2008 | Autor: Bernd

“Recht haben” ist eine Frage des Geistes, der Forschung, des Wissens – damit das Refugium der Einzelnen, Einzigen.

“Recht bekommen” ist eine Frage der Macht, damit der Masse.

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Platon und unsere Angst vor der Erkenntnis

Montag, 17. November 2008 | Autor: Bernd

Natürlich wusste Platon, dass er, gleich nachdem sein Kopf aus dem Nebel auftauchte und das Licht der Welt der absoluten Ideen erblickte, die Leiter unter ihm wegstossen musste. Das Licht aber war so überwältigend, die Einsicht so durchdringend, dass ihn, wie vor ihm schon und nach ihm noch so vielen die Angst überkam und er wieder herabstieg in die Vorstellungswelt, die er kannte, die ihm vertraut war. Da verschwand die Leiter.

Alles was ihm blieb, war die verblassende Erinnerung an diese herrliche Welt, alles was ihm blieb war, seine Träume von dieser Welt in Mythen zu fassen. Und das Bewusstsein seiner Schwäche, seiner Feigheit die ihm aus jeder Zeile seines Werkes entgegen schrie, machte ihn im Alter zu einem verbitterten Menschen, welcher eine Diktatur wünschte, weil er selbst einen Zwang, einen Herrscher gebraucht hätte in diesem einzigen Moment in dem von ihm Freiheit gefordert war. Er versah die Welt, von der er nur mehr träumen konnte mit Superlativen als so gewaltig, so überragend, so riesig, so als höchste Stufe der Bewusstheit, dass es verständlich erscheinen sollte, dass selbst er, der “grosse” Denker, diesen letzten Schritt nicht gewagt hatte.

Erläuterungen:

Einfach mal von einer anderen Seite schauen: Friedrich Dürrenmatt: Der Tod des Sokrates

Plato:

An diese Ausführungen knüpft Sokrates einen Mythos, um den Aufbau und das Lebensschicksal der Seele zu beleuchten. Anfänglich lebten die Seelen unter den Göttern und nahmen teil an ihrer himmlischen Wagenfahrt. Die Götter haben lauter edle Pferde, die Seele aber, deren Wagen von der Vernunft gelenkt wird, hat ein edles, himmlisches Ross, das Gemüt, und ein wildes, zottiges, bockiges irdisches Pferd, den Trieb. Bei der Wagenfahrt in der Gesellschaft der Götter führt der Weg steil an den Rand der Welt, auf den Buckel des Himmels: hier vermag der Lenker des Seelengefährts, die Vernunft, die in der überhimmlischen Region beheimateten Ideen zu erblicken: farblose, stofflose, gestaltlose, in Wahrheit existierende Wesen. Hierher kann nicht mehr jede Seele emporklimmen, doch die es noch vermag, stürzt wegen des störrischen und ungeschickten Verhaltens des irdischen Pferdes leicht ab. Dann fallen die Federn aus den Flügeln der Seele und diese sinkt zur Erde. Hier vermag sie die allgemeine Wahrheit zu erfassen, wenn es ihr vorher gelungen war, die Ideen zu erblicken.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Phaidros)

Wittgenstein:

6.54. Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)
Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
(Ludwig Wittgenstein – Tractatus logico-philosophicus http://tlp.logischer-raum.de/)

Es scheint, Wittgenstein entläßt uns hier mit einem Rätsel oder, wahrscheinlicher, mit der Behauptung, dass wissenschaftliche Philosophie nicht möglich ist. Das Mystische existiert aber. Der Satz ist also umzudrehen: Wovon ich nicht schweigen will, davon muss ich sprechen lernen.
(Aus: Russell und Mystizismus. http://www.handout.de/downloads/RussellMystik.pdf)

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Funktionale und dysfunktionale Spiele

Sonntag, 2. November 2008 | Autor: Bernd

Die Betrachtung von menschlichen Beziehungen unter dem Aspekt des Spieles erlaubt es Unsicherheiten, die aus Naturereignissen oder der Freiheit der Anderen resultieren, zu verstehen und vielleicht sogar zu verringern.

Das Ergebnis angewandter Spieltheorie sind Strategien mit höheren Gewinnwahrscheinlichkeiten für beide Seiten. Genau genommen wird versucht, einen Widerspruch durch Regelwerke zu bewältigen – den Widerspruch zwischen dem eigenen Gewinninteresse und den Gewinninteressen der Anderen. Was jeweils den Wert “Gewinn” bekommt, ist bei den Parteien jedoch auch oft unterschiedlich.

Solch ein Regelwerk ist zum Beispiel bei der gerechten Teilung von nicht abzählbaren Werten anzuwenden.

Wenn zwischen 32 Menschen z.B. Wohnungen unterschiedlichen Wertes aufgeteilt werden sollen, ist es Unfrieden stiftend, das

  • für die Menschen zu tun (durch einen Dritten, Mächtigen, als Zuweisung, Diktatur) (vgl. die sog.Hauptaufgabe des Sozialismus in der DDR: “Alles zu tun für das Wohl der Menschen.”)
  • oder durch die Menschen selbst (Autonomie, Freiheit),
  • oder durch das Los (Zufall, Gottesurteil),

weil sich immer einige der Menschen benachteiligt fühlen werden.
Der Trick ist, drei wichtige Spielelemente einzubeziehen:

  1. eine freie Entscheidung der Betroffenen aus mindestens drei Möglichkeiten (denn eine Möglichkeit ist Zwang, zwei ist eine Wahl und drei ist Freiheit)
  2. den Zufall, das Los
  3. den Zeitdruck
  4. den Payoff, die Auszahlung.

Wenn sich jede/r Betroffene für mehrere Wohnungen entscheiden muss, dies unter Zeitdruck tun muss (um Aussitzen zu verhindern) und schliesslich ein Los die genaue Zuweisung bestimmt, ist jede/r mehr oder weniger glücklich und die Wahrscheinlichkeit, dass jede/r eine Wohnung erhält, die den Bedürfnissen entspricht und das Erhalten der Wohnung als Folge einer eigenen Entscheidung ansieht, grösser als in den diktatorischen oder anarchischen Varianten.

Die Auszahlung ist dazu noch eine offene: Die Lösung des Verteilungsproblems, und eine geheime: ein Emotionsgleichgewicht, wenn nämlich nicht alle späteren Nutzer/innen einbezogen werden können, aber auch nicht gewartet werden kann, wird die offensichtliche Benachteiligung der Späterkommenden (FiFo – First In – First Out) als Mischung aus Schadenfreude über einen Vorteil und schlechtem Gewissen gegenüber den Späterkommenden, die ja auch mal Nachbarn sein werden in Kauf genommen und führt zum Genuss und zum Stillschweigen..

Was durch ein Spiel verändert wird, ist also die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Ereignisses und die Gefühle der Spielenden.

Beim Mensch-ärgere-dich-nicht Spiel sind diese Elemente repräsentiert durch

  1. eine freie Entscheidung der Betroffenen welche der eigenen vier Figuren ich ziehe.
  2. den Zufall, das Los, den Würfel
  3. den Zeitdruck, der durch die Weitergabe des einen Würfels erzeugt wird
  4. den Payoff, die doppelte Auszahlung, den Genuss dass ich eher als andere im Haus bin, den Wettbewerb und dass ich zwischendurch, um die Energie des Spieles zu halten, jemanden “rauswerfen” kann .

Das gilt für funktionale Spiele.

Wenn ich über funktionale Spiele rede, will ich jedoch auch über dysfunktionale Spiele reden, wie sie Eric Berne so genau in menschlichen Beziehungen analysiert hat. Der Output solcher Spiele ist nicht die wahrscheinliche Zufriedenheit sondern die sichere Unzufriedenheit möglichst aller Beteiligten.

Dysfunktionale Spiele sind nicht Betrugsspiele, bei denen eine Partei auf Kosten einer anderen Partei glücklich wird (Loser – Winner), sondern Spiele, bei denen der Spielgewinn die Bestätigung eines unglücklichen Status Quo, die Erhaltung eines Zustandes ist. Dysfunktionale Spiele sind konservative Spiele, deren Auszahlung die dysfunktionale Möglichkeit ist, bereits erworbene Erfahrungen einzusetzen, weil die Situation immer wiederholt wird.

Insofern sind dysfunktionale Spiele auf einer anderen Ebene funktional, weil sie statuserhaltend sind. So sind Sklaven und Sklavenhalter an der Erhaltung der Sklaverei  interessiert – wie man auf Haiti während der französischen Revolution, Lohnarbeit und Kapital an der Erhaltung des Kapitalismus, wie man an den Demonstrationen der Arbeiter für den Verkauf ihrer Betriebe nach dem Ende der DDR sehen konnte. Die Basis für das Interesse ist die positive Auszahlung als Hoffnung dass diese Systeme funktionieren und zur Versorgung beider Seiten führen oder führen könnten.

Natürlich finden wir das auch in Beziehungen wie Ehen oder Partnerschaften wieder, mehr noch, hier ist es ein ständiger Zustand, wenn die Partner ihre unglückliche Beziehung den Risiken eines Neuanfangs vorziehen.

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Copy-clock and copy-handbags

Samstag, 1. November 2008 | Autor: Bernd

Wenn ich in Dubai durch den Gold-Suk gehe, sprechen mich junge Männer mit raschen Worten an: Copy-clocks, Copy-handbags, Pashmere?

So wie die Natur die Krankheit ersonnen hat, um uns auf die Vergänglichkeit und Schwäche unseres Leibes aufmerksam zu machen, haben unsere Händler das Surrogat erfunden, um uns als Kunden zu erhalten.

Wenn uns Erfüllungen von Versprechen versprochen werden, bedeutet das noch lange nicht, dass uns die Versprechungen erfüllt werden. Es ist das alte Marketing-Problem der Erfüllung: ein erfülltes Begehren ist ein gestilltes Begehren, ein gestilltes Begehren verlangt nicht nach Befriedigung, ist also das Ende des Begehrens und damit nur noch theoretisch existent. Eine versprochene Erfüllung ist ein Begehren, welches hält, so lange es nicht erfüllt wird. Der Spalt zwischen den Versprechen und der Erfüllung, den wir als Sehnsucht bezeichnen, ist der Ort wo die Warenwelt hineinfliesst, ohne den Spalt je schliessen zu können und zu sollen. Ein zufriedener Kunde ist ein Kunde, der nicht mehr kauft weil er seinen Frieden hat mit dem, was er gekauft hat. Ein zufriedener Kunde ist kein Kunde mehr, allein der Begriff ist so schon absurd.

Begehren muss aufrecht erhalten werden, nicht gestillt und wenn gestillt, dann so wie es Drogen tun, das Stillen des Begehrens muss noch tiefere Wunden reissen, je mehr ich esse, desto mehr Hunger muss ich bekommen. Nur das ist wirtschaftlich.

Deshalb sind so viele Händler selbstverständlich nicht an der Befriedigung der wirklichen Wünsche ihrer Kunden interessiert, denn es wäre das Ende ihrer Geschäfte. “Der Kunde ist König” – dieser Spruch entlarvt, vom rechten Blickwinkel betrachtet, denn was macht ein Händler mit seinem König? Er verkauft ihm Luxusartikel, die er nicht braucht, prellt ihn um seine Steuern und versucht ihn durch Kredite abhängig zu machen und seine Entscheidungen zu beeinflussen.

Deshalb sind aber auch so viele Kunden gar nicht wirklich an der Befriedigung ihrer Bedürfnisse interessiert, es wäre ja das Ende ihres Spiels, das Ende ihres Sehnens.

So haben wir hier ein homogenes Verhältnis, in dem beide Seiten unglücklich werden – manche nennen so was Weltwirtschaft.

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