Vom Vorgesetzten zur Führungskraft
Freitag, 29. August 2008 | Autor: Bernd
Vielen Menschen, die Verantwortung für Menschen übernehmen, ist nicht bewusst, dass sie nur dadurch, dass sie anderen vorgesetzt wurden, noch lange keine Führungskraft sind. Erst wenn sie bemerken, dass in der Gruppe informelle Führer auftauchen, die das Heft in die Hand nehmen, werden sie sich, vorausgesetzt, sie sind klug genug dafür, ihres Mangels bewusst.
Vorgesetzte/r werden ist ein passiver Akt. Er geschieht durch Zuweisung von Macht oder Verantwortung. Er ist ein Akt, der von anderen Menschen ausgeübt wird, um Funktionen und Verantwortung zu teilen, zu organisieren.
Führen dagegen ist ein aktiver Akt. Führen wird von der Führungsperson ausgeübt. Dieses Üben ist Fehler- und Risikobehaftet. Es ist ein Unternehmen. Dazu bedarf sie nicht einmal Macht oder Verantwortung. Macht und Verantwortung sind vielmehr etwas Ergriffenes, von der Führungsperson Genommenes. So ist das Zuteilen von Macht und Verantwortung Führungstätigkeit.
Der Übergang vom Vorgesetztsein zum Führen basiert also auf Vertrauen, auf Teilen, auf Abgeben. Führen ist immer ein kooperativer Akt, weil gemeinsame Operationen koordiniert werden.
Ein/e Vorgesetzte/r ist reines Dasein, Gesetztsein. Es ist aus sich heraus nichts, nur Abglanz, Leere.
Was er ist, findet er als ein Anderes an sich, er ist nur durch ein Anderes, re-präsentiert nur dieses Andere, steht und fällt mit diesem Anderen.
Diese Abhängigkeit, diese Leere erzeugt ein Sehnen in der vorgesetzten Person, das nur dadurch erfüllt werden kann, dass sie sich als Vor-gesetzte negiert und zur Führungsperson wird. Dieser Akt ist ein sich selbst Setzen als etwas Anderes. Das Paradox, dass die Leere sich füllt durch Weggeben, Abgeben, Hingeben macht den Schmerz dieses Übergangs vom Vorgesetztsein zum Führen aus.
Wem das nicht gelingt, der füllt diese Leere mit Spielen aus die nur den Anschein von Macht enthalten. Solche Handlungen sind Drohungen, Strafen, Versprechen, Lügen, Korruptionsspiele, Verdächtigungen, Kontrollwahn und, in der Regel fehlschlagende Manipulationsversuche. In diese Lücke drängen sich auch gerne Neurosen und Psychosen hinein, welche durch ihre verstärkende und pervertierende Funktion grosse Schäden anrichten können. Eitelkeiten und Dumpfheiten haben hier ihre Spielwiese.
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