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Story Way

Montag, 31. März 2008 | Autor: Bernd

The Way Stories to tell may influence the ways stories to life on. Listening to stories may help by understanding the mind of people as of enterprises.

Telling your own stories may help going your own ways.

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My first Comic Strips:

Freitag, 28. März 2008 | Autor: Bernd

Made with pixton

Thema: Bilder, Essays | Beitrag kommentieren

My second Comic Strip:

Freitag, 28. März 2008 | Autor: Bernd

Made with pixton

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Aufklaerung ist ein Sonderfall

Sonntag, 23. März 2008 | Autor: Bernd

Aufklärung geht von mindestens vier Prämissen aus:

  1. Das Volk weiss nichts (oder Einiges Wichtiges nicht) von selbst, ist unwissend, dumpf
  2. Das Volk will was wissen
  3. Es gibt einzelne Menschen, so genannte Intellektuelle (das sind die mit Intellekt, unterschieden von denen ohne Intellekt), die wissen etwas besser
  4. Wenn die Menschen wissen wie es geht, machen sie es richtig (bzw. die Menschen handeln falsch, weil sie es nicht richtig wissen).

Auf diesen aufklärerischen Grundannahmen, die im übrigen auch die Grundannahmen der kommunistischen Bewegung waren (“die Arbeiterklasse wird durch ihre Lebensumstände an der Bildung gehindert, die Intellektuellen, die Zeit und Musse zum Studieren haben, bringen den Geist in die Massen. “… allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift” …”) basiert das System der Volksbildung, der freien Presse.

Überprüfen wir diese Behauptungen:

Zum 1. Punkt: Die Einschränkung zeigt schon, dass die Mehrzahl von Intellektuellen durchaus naturwüchsiges Wissen, Erfahrungen im Volk anerkennt, dieses Wissen aber nicht so hoch bewertet, wie aus der “Wissenschaft” hervorgegangenes Wissen. Die Weisheit des Volkes, als Erfahrung, Vorahnung, Märchen, Spruch, Sitte, Regel gespeichert und übermittelt, wird durch Aberglauben, Irrglauben, Glaube überhaupt konterkariert und deshalb abgewertet.

Zum 2. Punkt: Die Verbreitung des Fernsehens, und dort die Einschaltquoten bei den eben gerade NICHT aufklärerischen Sendern, die Verwendung des Internet und die Struktur des Zeitschriftenmarktes zeigen, ebenso wie die öffentliche Darstellung von Wissenschaftlern (Modell “verrückter Professor”), dass das Volk Wissen vermeidet, ängstlich verfolgt und wenn irgend möglich, auf abstraktes, verkürztes, sprichwörtlich “BILD-Zeitungsniveau” herunterkürzt. “Wissenschaftler haben festgestellt, dass …” Nie wird das Subjekt “Volk” auf die Idee kommen, zu hinterfragen: Welche Wissenschaftler, welche Forschungsmethoden, welche Verifizierungsmethoden, welches Modell der Grundannahmen u. s. w. weil das zur Folge hätte, dass konkretisiert (verkompliziert) wird. Wir, als Volk wollen aber einfache Aussagen wie: “Jesus lebt!”, “Gott ist tot!” oder “Der Sozialismus siegt!”. Eine Wahrheit, die nicht auf ein T-Shirt gedruckt werden kann, ist nicht popularisierbar.

Zum 3. Punkt: Das Herausheben des Intellektuellen aus dem Volk hat zur größten Vernichtung von historisch entstandenem Wissen geführt, das ist bekannt. Die Gebrüder Grimm begannen gegen den Widerstand der Pfaffen, also der christlich-ideologischen Intellektuellen, Märchen und Sagen zu sammeln, kurz bevor sie durch die Aufklärung in Vergessenheit gerieten. Warum sollten Geschichten über Zwerge und Geister weiter erzählt werden, wenn ich den Berg abgetragen habe auf dem sie wohnten um die Braunkohle darunter zu nutzen?

Zum 4. Punkt: Nun, das ist ein ganz altes philosophisches Problem. Wir finden Informationen dazu beim Thema Akrasia. Die Handlungstheorie hat sich seit Platon mit dem Widerspruch zwischen der intellektuellen Definition der Handlung als “bewusstes Handeln, d. i. vom Bewusstsein, dem Denken, dem Willen, der Vernunft gesteuert” und der Beobachtung des “Handelns wider besseren Wissens” korrespondierend mit dem “Glauben wider besseren Wissens” abgekämpft.

Ich denke, ein Problem liegt in der Definition der Menschen als vernunftbegabt – und dem Vernachlässigen der Tatsache, dass der Mensch überwiegend Tier ist (So singt der Dichter: “Was ist der Mensch: Halb Tier – halb Engel” – eine optimistische Annahme, von Friedrich Engels zitiert …).

So hilft es, wenn wir die Prämissen der Aufklärung selbst kritisieren:

  1. Vielleicht gibt es das “Volk” nicht! Es gibt nur einzelne Menschen, und das Verhalten von diesen einzelnen Menschen in Gruppen. Eine dieser Gruppen wird als “Volk” bezeichnet.
  2. Als einzelne Menschen sind selbst Wissenschaftler ausserhalb ihres Gebietes nur an Lösungen interessiert, diese Lösungen sollten möglichst einfach (abstrakt) sein. Wir wollen nicht wissen wie das Strömen von Elektronen zwischen Spannungspotentialunterschieden in Wolframfäden Photonenemissionen hervorruft, deren Reflektion von Oberflächen und Auftreffen auf spezielle Nervenzellen in unseren Augen Signale hervorrufen, aus denen unser Gehirn zusammen mit Erinnerungen Bilder konstruiert, wir wollen, dass es hell ist und wir wollen wissen, welchen Schalter wir betätigen müssen. In der Regel interessieren wir uns erst dann genauer für den Prozess, wenn im pragmatischen Prozess Störungen auftreten. Dann befragen wir jedoch intellektuelle Spezialisten, Elektriker, Augenärzte und Philosophen.
  3. Jeder Mensch ist auf irgend einem Gebiet Intellektueller, weiss etwas besser als Andere, und wenn es nur das Wissen darum ist, wo der Hammer hängt.
  4. Die Bewegung von Menschen ist mitunter auch bewusst und manchmal ist die Idee, nach der sich bewegt wird, aus dem eigenen Hirn entstanden. Das sind aber Ausnahmen. In den meisten Fällen bewegen sich Menschen einfach so. Dazu kommt, dass das Bewegungsmuster von Menschen im Einzelfall zufällig und als Gruppe im gleichen Moment als gesetzmäßig beschrieben werden kann (z. B. bei der Zeugung). Ob ein Handeln richtig war, ist immer nur post festum, also nach der Handlung festzustellen und auch da nicht immer eindeutig. Vernünftiges Handeln ist ein seltener Sonderfall menschlichen Handelns.
  5. Wissen entwickelt sich vom Expertenwissen (“Know-that”, Doktor Allwissend, wie bei Sloterdijk), über das Fertigkeitswissen (“Know-how”, gewusst wie) zum interaktionalen Wissen, zur Fähigkeit, in komplexen Situationen klar zu kommen (“knowing in action”, Praxiswissen, Wissen wo’s steht und wie ich an die Information rankomme und wie ich in der Gruppe handle).
  6. Aufklärung ist ein Prozess der Verhinderung von Verdunkelung, nicht der Erleuchtung. Dieser Prozess ist permanent, weil Wissen weh tut. Gehen wir vom “vernünftigen Handeln nach Gründen” als Sonderfall menschlichen (und tierischen) Bewegens aus, wird klar, dass Philosophen, so auch Davidson bei der Diskussion des Handelns über Sonderfälle menschlicher Bewegung sprechen und so lange Probleme mit der Darstellung haben werden, wie sie jede Bewegung mit dem Handeln gleich setzen. Aufklärung könnte so definiert werden, dass sie der Versuch ist, das Bewegen von Menschen zum Handeln zu entwickeln, den Sonderfall also immer mehr zur Regel werden zu lassen.

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Wie ich keine Geschichte schrieb

Samstag, 22. März 2008 | Autor: Bernd

Das Begehren war sofort da. Einfach da. Die Ideen auch. Story, Plot, alles verlangte danach, geschrieben zu werden.

Es war mir sofort klar, dass die Geschichte keines meiner Probleme lösen würde. Es war nicht genügend Profit vom Verkauf zu erwarten, es wäre meine erste Geschichte und erste Geschichten bringen nie etwas ein, besonders, wenn sie gelungen sind. Weder die Machart noch das Thema würden zu meinen Lebzeiten irgend jemanden interessieren. Selbst von meinen Freunden war nicht die geringste Empathie zu erwarten, denn sie würden sich in der Geschichte weder erkennen noch angenehm spiegeln können. Der Text war so fern von allen ihren Kontexten angesiedelt, dass die Wahl des Sujets allein schon eine Vernachlässigung und damit eine Beleidigung darstellen würde. Schon das geringste Interesse hätte eine so große Anstrengung vorausgesetzt, dass es einfach zu viel verlangt wäre, diese Anstrengung von ihnen zu erwarten. Nicht mal um den Beginn der Geschichte, die ersten Worte musste ich mich kümmern, sie fanden sich, als Magnete an die Kühlschranktür geheftet: “Liebe geht durch …” 

Allein, die Niederschrift des Textes würde einen Teil von mir vergegenständlichen, der bisher nur meine Existenz war. Dieser Teil ging niemanden was an, er gehörte nur mir. Jetzt wäre er auch für andere da. Ich selbst würde meinem eigenen Text gegenüber ein Anderer sein. Diesen Text würde ich nie wieder mein Eigen nennen können. Fremd und vielleicht bedrohlich würde er mir gegenüberstehen, als Text eines Anderen, der ich nicht mehr war, der ich mich selbst als einen anderen erzählen würde. Fremd und bedrohlich, ein Spiegelbild, welches von jedem Leser, ja sogar von mir selbst nicht als wirkliches Spiegelbild, sondern vielleicht als ein Bild mit dem ich mich zu identifizieren wünschte, mühelos als ein Bild meiner Eitelkeit identifiziert werden würde. Der Spalt zwischen diesem Bild und dem, was in mir verbliebe wäre so groß, so unüberwindbar, dass nicht nur keine Befriedigung, sondern nur noch grösseres Begehren aus dem Schreiben des Textes entstehen würde. Bisher hatte ich in meinem Leben wenig unbefriedigtes Begehren zugelassen. Was ich nicht bekommen konnte, das begehrte ich auch nicht. So wenig ich unbefriedigtes oder nicht zu befriedigendes Begehren zugelassen hatte, so wenig Schmerz war auch in meinem Leben, bisher.

Dieses Begehren jedoch, so ahnte ich, nein wusste ich sofort, würde funktionieren wie eine Droge. Jedes Wort, niedergeschrieben, wäre der Aufweis eines Mangels der nach Ausfüllung verlangte durch neue Worte, Sätze … und so fort. Jede Befriedigung wäre augenblicklich verletzend, würde mich meiner Schwäche bewusst und mich doch nicht frei von der Schuld, mich doch nicht unabhängig von diesem Verlangen machen.

Irgendwann wäre mein Glück nur noch im Schein der Worte, dem kurzen Moment des Niederschreibens. Wie in der modernen Fotographie wäre nicht mehr der Text, das Ergebnis wichtig, sondern der Akt des Schreibens als immer währende Folge des Verlierens, Weggebens, in der vergeblichen Hoffnung, etwas zu gewinnen. So wie meine Kinder weggegangen sind und nun, wenn sie wieder zu mir kommen, Fremde sind, schwer zu verstehende Andere, nicht mehr meine. Mein Glück wäre nicht mehr das einfache Dasein sondern ein Sein im Anderen. Eben niedergeschrieben würde ich versuchen, mich in den gerade noch eigenen Worten wieder zu erkennen, vielleicht sogar Stolz oder gar Selbsterkenntnis zu gewinnen. Vergeblich. Das Bewusstsein dieses Andersseins im Spiegel des Papiers, das sich immer mehr zwischen mich und meiner Aufmerksamkeit als Rezipient schieben würde, bis ich dem Bild selbst verfiele, versuchte, ihm ähnlich, ihm gerecht werden zu wollen. Ich würde immer mehr das erbärmliche Bild eines Menschen abgeben, das seinem Bild verfiele, aber nicht wie Pygmalion in Liebe zum kalten Abbild der Schönheit, sondern in der Sehnsucht nach der verlorenen Einheit mit diesen Worten in Liebe zu mir selbst zu einem Teil, welches, vergegenständlicht, immer fremd wäre. Ich würde immer nur ein Fremder sein. 

Wo ich versucht wäre, hinter meinen Worten entdeckt zu werden, würde ich immer unschärfer, undeutlicher, undeutbarer, weniger sichtbar werden. 

Es erfordert viel Geschick und grosse Anstrengung, keine Geschichte zu schreiben. Geschichten wollen erzählt werden. Sie sind rücksichtslos auf den Willen des Erzählers, drängen nach aussen und lassen den Erzähler mit dem Spott der Umwelt allein. In der Vorstellung, dass es ein eigenes Reich der Geschichten gäbe das nach Wirklichkeit drängt, sei es als “Reich Gottes” oder als Platons Ideenhimmel oder als Walten des Weltgeistes finden wir die Bilder zu dieser Tatsache.

Einen Text lesen, heißt den Blick eines Textes ertragen zu können. Einen Text schreiben, heißt, den eigenen Blick ertragen zu können, der auf mich als einen Anderen schaut. Mehr noch, ein Text wird nicht angeblickt, ein Text lässt sich anblicken. Nicht der Blick macht den Text, sondern der Text macht den Blick. Mein Blick auf meinen Text ist im Moment des Niederschreibens nicht mehr mein Blick sondern der Blick des Textes, der mich liest um entäußert zu werden. Und dieser Text wächst sich zu einer Erzählung aus. Ich bin nicht mehr was ich bin, ich bin was über mich erzählt wird. Ob ich es selbst bin, der erzählt oder ob es Andere sind, ist für diese Tatsache irrelevant. Im Augenblick des Erzählens werde ich die Macht verlieren über das Erzählte und das Erzählte wird mich erzählen, eine Erzählung über mich sein, aus der mein Ich später rekonstruiert wird, ein Ich das Ich nicht bin. Denn Ich ist ein Anderer. Und dieses Später beginnt immer sofort. Deswegen sollte ich die Geschichte nicht erzählen.

So schrieb ich die Geschichte vielleicht nicht, um zu verhindern, dass die Geschichte mich schrieb. Vermutlich bin ich deshalb aber auch einer geblieben, der nicht durch das Anderssein gegangen ist, deshalb nicht einmal sich selbst gewesen ist. Ich weiss nicht, wie lange ich der Geschichte noch widerstehen kann. Ich werden älter, die Kräfte lassen nach, die Angst beginnt. Mit dem Nahen meines Endes drängt die Geschichte durch meinen Widerstand nach aussen. Sie will bleiben, wenn ich gegangen bin, sie will meine Existenz haben, meine Existenz werden.

Ich bin mir immer weniger sicher, ob nicht der Widerstand selbst, den ich nach so langen Jahren immer noch nicht aufgegeben habe, seine eigene Geschichte geschrieben hat, sich mir in das Gesicht eingeschrieben, die Mundwinkel geformt, die im entspannten Zustand immer mehr nach unten wandern als für jeden Anderen ausser mir, der ich mich selbst nur aus dem Spiegel kenne, nur als Spiegelbild kenne, für jeden Anderen sichtbares Zeichen, frei und damit rücksichtslos interpretierbar und ich, trotz aller meiner Bemühungen verletzbar durch jede und jeden Anderen, mich vergeblich gewehrt habe.

Plötzlich wurde mir klar, dass wahrscheinlich alle die Geschichten welche Andere geschrieben haben und immer noch schreiben in Wirklichkeit gar keine Geschichten sind. Dieses Schreiben von Geschichten ist der Trick, keine Geschichten zu schreiben. Alle Geschichten waren nur Ersatz, Spiegelfechterei, Täuschung. All die Schriftstellerinnen und Schriftsteller schrieben um zu verhindern geschrieben zu werden. Ihre Geschichten handelten deshalb immer weniger von ihnen selbst als von phantastischen Personen und Dingen, die nicht weit genug von der Existenz der Schreibenden entfernt sein konnten. Diese Geschichten waren von vornherein als fremde Geschichten konzipiert und wurden vom Publikum auch bereitwillig und wissend als Schein von Geschichten  gelesen um wiederum die Bildung eigener Geschichten zu verhindern, um als personae, als Masken, das eigene Fremdsein durch eine noch fremdere Hülle weniger spürbar, weniger schmerzhaft zu gestalten.

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Blick, Tatsachen und Bilder

Samstag, 22. März 2008 | Autor: Bernd

Bilder folgen den Tatsachen, gehen der Wahrnehmung aber voraus. Die Tatsache als vom betrachtenden Subjekt getrenntes Geschehen ist einfach da. Selbst wenn die Ursache einer Tatsache oder eines Sachverhaltes, also die Sache die sich zu einer anderen Sache verhält oder eine Sache welche Folge einer Tat ist, im Subjekt liegt, ist sie im Augenblick der Wahrnehmung vergangenes Tun, erstorbenes Tun oder fremdes Lebendiges für das erkennende Subjekt. Die Fakten werden als Ausser-Sich-Sein erblickt. 

Der Blick selbst ist der Schein der Subjektivität für Andere. Er allein soll der Macht des Subjektes unterliegen, “verirrt” sich jedoch oft genug dorthin, wo der Reiz, das wahre Interesse liegt, entledigt sich der Macht des Subjektes, macht das Subjekt ohnmächtig, zum Objekt fremden Willens. Ein Blick ist ein Tun, genau so wie Riechen, Schmecken, Berühren und – Schreiben. Aktives Handeln ist so immer ein Sich-der-Wahrnehmung-Anderer-aussetzen. Der aktive Blick ist nicht derselbe Blick wie der, der von einem Menschen erzwungen wurde. Der aktive, subjektive Blick ist Handeln, Aggression: “Sie haben mich fixiert, mein Herr, ich fordere Sie zum Duell …” ist immer noch aktives Gefühl, wenn auch mit anderen Worten “Was guckst du, willst du paar in die Fresse?”. Der züchtige Blick, der die Organe des Sehens der Anderen vermeidet, der Blick, der selbst in Kulturen, in denen alle Mitglieder nackt sind, bei Strafe nicht auf die Geschlechtsorgane gerichtet werden darf.

Die Burka, der Schleier sind deshalb Instrumente der Macht. Die Burka ist ein tragbarer “Anstand”. Diese Anständigkeit erlaubt es zu sehen ohne gesehen zu werden. Was als Schutz vor (Männer-) Blicken gedacht war, wird Waffe. Im Gegensatz aber zur Sonnenbrille, die auch von Nackten getragen werden kann, setzt die Burka auch hinter ihrem Netz die Augen dem Blick der Augen aus. Kein Wunder, dass die Verstärkung des Blicks durch den Kajalstift als schwarze Umrandung der Augen gerade in Gegenden, in denen Augen nur hinter Schleiern sichtbar sind, so beliebt ist.

Eine Sonnenbrille erlaubt es, zu sehen, ohne dass der Blick entblößt ist. Nur die Augen sichtbar zu machen, wie beim Schleier oder alles ausser den Augen sichtbar zu machen wie bei der Sonnenbrille sind die Extreme des Blicks, die ursprünglich Orient und Okzident unterschieden.

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Abstraktes und Konkretes

Dienstag, 4. März 2008 | Autor: Bernd

Seit Hegels kleiner Schrift “Wer denkt abstrakt?” sehe ich das Verhältnis von Abstraktem und Konkretem mit anderen Augen.

Jeder hat mal was von “abstrakter Kunst” gehört. Das sind die Sachen wo man nix erkennen kann, die aber trotzdem anrührend bis schön sind. Dagegen steht die “realistische Kunst”, wo man getrost fragen kann: “Was wollte der Künstler , die Künstlerin uns damit sagen?”.

Wir finden auch immer wieder den Vorwurf an Wissenschaftler(innen), dass sie zu abstrakt, zu hochtrabend zu abgehoben, fern der Realität u. s. w. seien.Wenn man aber genau hinsieht, zeigt sich, dass die realistische Kunst, zum Beispiel in der Form der “Parteikunst” ebenfalls Sachen auf den Bildern weglässt, nicht zeigt, ausblendet.

Was bedeutet abstrakt? Nun, zunächst einfach, dass etwas weggelassen wird. Konkretes dagegen zeigt möglichst viele Eigenschaften eines Dinges als Ganzheit.

Wenn man genau hinsieht, sieht auch jeder, dass sich ein Wissenschaftler nicht mit der Benennung eines Gegenstandes zufrieden gibt, sondern genau wissen will, was das Wort z. B. “Ordovizium” bedeutet.

Je ausgestalteter der Begriff wird, desto konkreter wird er. Hegel weist darauf hin, dass es die Wissenschaftler sind, die konkret denken und das Volk, die Nichtwissenschaftler, die abstrakt denken. Er demonstriert das an einer Frau aus dem Volke und dem verurteilten Verbrecher.

Diese Tatsache erklärt auch ein Verhältnis von Wissenschaft und Glauben. Wir glauben so gerne, weil es einfach ist. Irgend etwas, das wir nicht verstehen oder das wir nicht wissen (wollen)? Nennen wir es Gott und denken nicht weiter darüber nach!

Der Wissenschaftler oder die Wissenschaftlerin, die sich nicht zufriedengeben mit einer Seite eines Gegenstandes, die immer tiefer hineingehen müssen, immer mehr wissen wollen, immer genauer hinsehen, schaffen dort ein immer konkreteres Bild des Gegenstandes, wo sich das Volk mit einer einfachen, möglichst einer Einwortbeschreibung zufrieden gibt.

Die abstrakteste Zeitung auf dem deutschen Markt ist die Bild-Zeitung. Die Sprache ist einfach, verkürzt auf Hauptsätze und Behauptungen und kümmert sich nicht um den Wahrheitsgehalt der Aussagen.

Das entspricht genau dem Willen des Volkes. Benenne eine Sache, alles andere ist zu schwierig. Ich habe immer noch die Ausrufe einiger meiner Freundinnen im Ohr: “Musst du immer alles so zerpflücken?”

Der Weg der Erkenntnis geht vom sinnlich Konkreten: “Dieser Apfel jetzt, angebissen” zum geistig Abstrakten: “Der Apfel an sich”, “Das Anbeissen”.

Der Weg der Lehre dagegen geht vom geistig Abstrakten zum geistig Konkreten “Das Logo meiner Lieblingscomputerfirma ist ein angebissener Apfel”.

Apple

Dieser ist kein objektiv reales Ding mehr, sondern ein Symbol, ein Zeichen, das für eine Fülle von Eigenschaften steht und Ähnlichkeiten mit einem Namen aufweist, aber nicht dasselbe wie ein Name ist. 

Dieser Weg ist anstrengend, ist Wissenschaft, weil Wissen über Sachverhalte geschaffen und gesammelt wird. 

 

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Glauben und Wissen

Montag, 3. März 2008 | Autor: Bernd

Der Streit zwischen Glauben und Wissen ist alt. In der Regel werden Glauben und Wissen als unvereinbare Gegensätze angesehen. Das Extrem ist der Streit zwischen extremistischen Gläubigen und “reinen” Wissenschaftlern.

So schreibt Ludmila Carone

“Klare eindeutige, vernünftige Formulierungen und Argumente und nachvollziehbare und dokumentierte Tests und Experimente; das sind die Grundlagen der Wissenschaft und nichts anderes. Subjektive Meinungen und Erfahrungen, die man gemacht zu haben glaubt, haben hier rein gar nichts zu suchen.”

Sie muss sich aber die Frage gefallen lassen: Woran erkenne ich, dass ein Satz “klar, eindeutig und vernünftig” ist? Sind Experimente wirklich und immer hundertprozentig nachvollziehbar? Muss ich, um dem Berichtenden zu glauben (!) jedes Experiment, jede Beobachtung nachprüfen, oder muss ich es nur können? Woran erkenne ich, dass eine Meinung “subjektiv” ist? Wären damit nicht alle Meinungsumfragen von vornherein unwissenschaftlich?

Martin Rundkvist erklärt sich als scientist und schreibt:

“In my opinion, there is only one kind of science, Wissenschaft, vetenskap, that is, the one that aims at finding out the truth about what the world is or has been like. From a fundamental philosophical perspective, archaeology and physics work just the same: not because I think physics are so great and archaeology is too, but because I think the road to solid scientific knowledge in physics is open but precarious, and that it is in archaeology too. … Ask clearly phrased questions, look at the evidence (quasars, amber bead hoards, census data, Victorian novels), draw clearly phrased rational conclusions, present your work to your peers for scrutiny, see who salutes.”

Vielleicht hilft es, sich Glauben genauer anzusehen.

Es gibt mindestens vier Nutzungsarten des Begriffes “Glauben”

  • Ich glaube es weil ich es noch nicht weiß, weil ich dir vertraue und weil ich diese Information für meine Praxis benötige, sie aber nicht selbst verifizieren kann
  • Ich glaube, weil es absurd ist (credo quia absurdum), weil ich es nicht weiß und ich hoffe, nie etwas darüber zu wissen
  • Ich glaube, da ist noch mehr zu wissen oder zu bedenken, genauer, ich weiß da ist noch mehr und dieses Wissen lässt mich immer an der Richtigkeit oder Absolutheit des Wissenschaftsergebnisses zweifeln.
  • Ich glaube, weil und so lange es mir nützt, ich will gar nicht mehr wissen, weil es mir zu anstrengend ist (so nutzen wir alltägliche Gegenstände).

Wissenschaft geht vom Glauben aus – ich meine, wenn ich eine Studie lese, weiß ich, was in dieser Studie steht, nicht was wirklich geschehen ist, denn ich bin nicht im unmittelbaren Wirkungskreis der Forschung, die zur Studie geführt hat, sondern im Wirkungskreis der Studie. Die Wirklichkeit, aus der sich meine wissenschaftliche Welt zusammensetzt, entstammt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem Glauben anderer Menschen, den diese in Texten, Zeichensystemen und Hinweisen an mich kommuniziert haben.

Woher erfahre ich, dass es Trilobiten, Brachiopoden, Bryozoen, einen Archaeopteryx wirklich gibt? Selbst wenn ich die Steine sehe, die von Wissenschaftlern so benannt wurden – kann es sich auch um künstlicher Reliefs handeln – so lange ich kein Fachmann auf diesem speziellen Gebiet bin, muss ich glauben.

So scheint es auch Björn Kröger zu sehen.

Selbst die Mathematik, die wissenschaftlichste aller Wissenschaften geht von Glaubenssätzen aus:

“Nehmen wir mal an, es gäbe eine Entität, die Eins ist, unteilbar und unterscheidbar von anderen Eins – dann kann ich das ganze Gebäude der Mathematik darauf errichten”.

Dieses auf einem Glaubenssatz – ähnlich wie in einer beliebigen Religion gegründete Gebäude hat dann solche praktischen Resultate dass sie zur Newtonschen Physik führen.

Was geschieht nun wenn dieses “Eins”, der euklidische Grundglaubenssatz erschüttert wird, wie z. B. durch das Leibniz’sche Differential, das ja bekanntlich sagt:

“Nehmen wir mal an, es gäbe eine Entität, die gleichzeitig etwas ist und aber gegen Null geht, also Einheit von Sein und Nichtsein ist – dann können wir ein logisches Gebäude darauf errichten”

- dieses logische Gebäude hat dann so praktische Sachen wie Weltraumflüge, Atombombenexplosionen und die Beschreibung von Kurven ermöglicht.

Wo bleibt hier das Klare, Eindeutige, gar Vernünftige?

Also Mut, integrieren wir den Glauben in die Wissenschaft. Anzunehmen, dass es Eiszeiten, Meteoriteneinschläge, Gott und Götter, Göttinnen und Geister gibt ist ein Ausgangspunkt in der Wissenschaft, mitunter ein Lemma.

Der Unterschied besteht darin, wie wir mit den Glaubenssätzen umgehen:

Der wissenschaftlich denkende Mensch geht vom Glauben auf das Wissen, hinterfragt, will es genauer wissen. “Ich glaube, weil ich es noch nicht weiß”.

Der obskurant denkende Mensch geht vom Wissen auf den Glauben: “Ich glaube um es nicht wissen zu müssen”

Nehme ich “Gott”, diese missbrauchte Zeichenkette G-O-T-T wie jede beliebige andere Zeichenkette, als Variable, als Leerstelle für etwas, für das ich noch keinen Begriff habe, so wie Phlogiston für den Wärmeeffekt als ich mir alles nur als stofflich vorstellen konnte, kann ich diese Leerstelle durch Wissen auffüllen. So konnten die ersten Kosmonauten und Astronauten durch Augenschein sicherstellen, dass sich im Himmel kein Gott beobachten lässt.
Statt “Ich glaube an Gott im Himmel!”, konnten diese Wissenschaftler sagen: “Ich habe keinen Gott gesehen”
Das ist kein Atheismus. Atheismus heißt: Ich glaube, dass es Gott nicht gibt!
Mark Twain soll mal formuliert haben:
“Es ist nichts schwerer zu beweisen als die Nichtexistenz von etwas das nicht existiert!”
Für einige Theologen wanderte ihre Vorstellung von Gott so in das noch nicht Erforschte, z. B. die Psyche, zurück, sie sind Wissenschaftler, sie suchen weiter, andere ignorieren diese Erkenntnisse, sie beten immer noch “Gott im Himmel”, wohl weil ihnen das Symbol wichtiger ist als die Sache selbst, weil sie dieses Wissen nicht wollen.
Was den Laien vom Wissenschaftler unterscheidet, ist dass Wissenschaftler beim Glauben nicht stehen bleiben. Das gilt auch für die Wissenschaftler(innen), die sich mit dem Glauben beschäftigen.
Wer Wissenschaftler ablehnt, will uns alle zu Laien machen, will den Glauben nicht hinterfragen.
Lustig ist doch, dass auch die Obskuranten ohne Probleme die praktischen Produkte der Wissenschaft, wie z.B. das Internet nutzen um das Bedürfnis von Menschen “nicht wissen zu müssen” zu unterstützen.
Was ich viel interessanter finde ist, DASS es ein solches Bedürfnis nach dem Nichtwissen gibt, nach der Einschränkung des Bewusstseins, so wie uns zu viel Alkohol vor dem Denken schützt.
Ebenso wie bei jeder wissenschaftlichen Frage folgt die pragmatische Frage: “Welchen Nutzen kann ich aus dem Wissen um dieses Bedürfnis ziehen?”
Die Obskuranten haben schon eine Lösung gefunden – sie gründen Kirchen und kassieren Steuern …
Diejenigen Gläubigen, mit denen ich gerne rede, sind die, welche sich selbst fragen, auch die Wissenschaftler fragen: “Was tut ihr da? Ist die Zündung einer Atomwaffe wirklich eine so gute Idee, die Lösung des komplizierten logistischen Problems der Massenvernichtung von Menschen wirklich ein sinnvolles Anwendungsgebiet der Wissenschaft?”
Hier ergibt sich eine neue Dimension des Glaubens, nämlich die Dimension, die sagt: Wir glauben, wir können uns nie sicher sein, richtig zu liegen, lasst uns noch mal nachschauen, noch mal vordenken …

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