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Beiträge vom » August, 2007 «

Lust

Sonntag, 26. August 2007 | Autor: Bernd

Lust ist sich realisierendes Begehren.

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Lateralität und Religionsentwicklung

Dienstag, 21. August 2007 | Autor: Bernd

Die Gehirnhälftentheorie und die Religion – eine interessante Theorie. Lesenswert!

Diese biologistische Theorie ist wahrscheinlich eine von denen auf die der Satz zutrifft: “Für jedes komplexe Problem gibt es eine einfache Lösung, und die ist die Falsche “

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Dagegen!

Montag, 20. August 2007 | Autor: Bernd

Ich bin gegen die Kriminalisierung jeglicher Wissenschaft. Ich bin gegen Stasi 2.0. Die 1.0 hat mir schon gereicht.

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Die Gretchenfrage nach dem Glauben

Montag, 20. August 2007 | Autor: Bernd

Letztens im Garten auf einer Party wurde mir die Gretchenfrage gestellt. Ihr wisst schon, die Frage:

Gretchen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Als Faust ausweicht, fragt sie nach: „Glaubst du an Gott?“ und „So glaubst du nicht?

Wonach wird da eigentlich gefragt? „Glaubst du an Gott?“ Auf meine Nachfrage, was unter Glauben und was unter Gott verstanden wird, gab es Verständnislosigkeit und, vor allem, keine Antwort.

Glaube steht in meiner Begriffswelt als Gegenbegriff zu Wissen. Glauben muss ich was ich (noch) nicht weiß.

Gott und die Götter steht für das was ich nicht anders benennen kann. Das Wort “Gott” ist ein Platzhalter. Sobald ich einen Begriff einer Sache habe, benötige ich diesen Platzhalter nicht mehr.

Nur noch wenige Menschen auf der Welt benötigen den Gott Zeus um Blitze zu bezeichnen.

Zeus ist jetzt anders ausdrückbar: Naturerscheinung, elektrische Entladung. Plasma. Mit einem Blitzableiter sind die schrecklichsten Folgen dieses Naturereignisses zu verhindern oder zumindest zu mildern. Es gibt also eine vernunftgeborene Maschine, den Blitzableiter, die den Blitz unter die Macht der Menschen stellt. Damit hört der Blitzeschleuderer Zeus auf zu existieren.

Was bedeutet die Frage “Glaubst du an Gott?” also wirklich? Sie bedeutet: Gehörst du zu uns? Unterwirfst du dich unserer Denkbeschränkung? Bist du genauso wie wir bereit, nicht mehr weiter zu denken? Bist du genauso wie wir? Das ist genau der Punkt, bei dem die Religion ins Spiel kommt. Das Versammeln in einer Kirche, die Gemeinsamkeit ist anscheinend nur möglich, wenn nicht weiter gefragt, nicht weiter gebohrt, nicht weiter gedacht wird. Das Dogma ist verbindend.

Was mir bei den praktizierten Religionen oft fehlt, ist die Lockerheit, der Pragmatismus, mit der z. B. die Mathematiker, deren Wissenschaft ähnlich wie eine Religion aufgebaut ist, an die Dogmen ihrer Wissenschaft – hier heissen sie Axiome, herangehen.

Ein Mathematiker sagt: “Nehmen wir mal an, es gäbe, entgegen den Vorstellungen unseres gesunden Menschenverstandes und der formalen Logik, eine Zahl die nicht Null aber auch nicht etwas ist. Nennen wir diese Zahl d. Nun können wir die Infinitesimalrechnung auf dieser Zahl aufbauen und eine ganze Menge von praktischen Problemen der Kurvenberechnung in praktisch verwendbarer hinreichender Genauigkeit lösen, die wir mit dem gesunden Menschenverstand und der formalen Logik bisher nicht lösen konnten.”

In der Religion hieße das in der selben Sprechweise: “Nehmen wir an es gäbe eine Wesenheit, die Wirkung auf uns ausübt (als Fatum) und auf die wir wirken können (durch unser Verhalten und/ oder unsere Gebete). Nennen wir diese Wesenheit Gott. Dann können wir mit diesem Gott eine ganze Reihe sonst unlösbarer moralischer und gesellschaftlicher Probleme, wie z. B. die Überwachung des heimlichen Handelns (Gott sieht alles!), einen allgemein verbindlichen Verhaltenskodex (christlich, islamisch), eine Sicherung von Sitten, lösen.”

Also, wie hältst du es nun mit der Religion?

Ich beobachte. dass die Religion als Zuchtwerkzeug und Trost für die Massen wirkungsvoll, also nützlich für jede Art von Herrschaft ist. Sie wirkt ausserdem als Opiat, also beruhigend.*

Die Kirche dagegen ist nur eine Form der Nutzung von Religion für Macht – eben weil sich die Kirche als die Vereinigung von Menschen versteht. **

Ich benötige sie nicht. Ich achte sie als Quelle für Kreativität und Kultur (wie des schönen Gebäudes im Kopf dieses Blogs, der Akropolis). Ich würde, im Gegensatz zu den Glaubenskriegern jeder Farbe, nie eine Kirche zerstören.

Als Fessel für menschliches Denken halte ich Glauben und Religion für gefährlich. Als Basis für menschliches Verhalten und hinreichend sicherer Ausgangspunkt für Gedankengebäude im Sinne eines mathematischen Axioms ist sie zweckmäßig. Zweckmässig ist aber auch ein Dolch, um Menschen zu ermorden, zweckmäßig ist Brot um Menschen zu ernähren. Zweckmäßig heißt noch lange nicht gut. Die Form der Religion ist dabei zweitrangig, wenn nicht sogar zu vernachlässigen. Ein Krieg zwischen den Religionen um Vorherrschaft ist unsinnig und immer verlogen.

Es geht also um die Verwendung der Religion wie um die Verwendung eines Dolches, die über meine Stellungnahme entscheidet.

Eine Religion, die Menschen zusammenführt, Verständnis und Zusammenarbeit ermöglicht, ihnen Hoffnung macht und in schwierigen Zeiten eine sichere Stütze ist, ist ebenso gut und nützlich wie das Einmaleins, das ich benutze, um meine Finanzen zu berechnen oder meine Bücher zu zählen. Ebensowenig, wie ich das Einmaleins benutzen würde, um komplizierte Kurvenberechnungen zu machen oder einen Weltraumflug zu planen, ebensowenig würde ich mich mit den Mitteln der Religionen zufriedengeben, um meine persönlichen und alltäglichen Probleme zu lösen oder mir Gedanken um die Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse zu machen.

Wie halte ich es also mit der Religion? So weit sie reicht nutze ich sie auch, wenn sie nicht reicht, bin ich bereit ihre Grenzen zu überschreiten, und andere Möglichkeiten auszuprobieren.

—-

*Anmerkung: Dr. Blume (dessen Blog ich mit Interesse lese und den ich auf Grund seines Wissens empfehlen kann) nimmt an, dass die Gretchenfrage eher die nach sexueller Sicherheit ist. Seine Vorstellung scheint zu sein: Ist er religiös, ist er auch treu und steht zu seinem Kinde. Nun, treu kann ein Mensch auch ohne Religion, gar ohne Trauschein sein, und untreu kann er oder sie auch mit der Religion sein. Nicht umsonst ist Ehebrecherei in allen Religionen eine der am schärfsten verfolgten Sünden. Würden die Gläubigen nicht massenhaft ehebrechen, bräuchte man solch eine Regel gar nicht.

** Anmerkung 2 und hier die andere Seite des Christentums:
Deschner, der Kirchenkritiker
und hier eine Sendung über ihn:
Teil 1:

Teil 2:

Thema: Essays | Ein Kommentar

Perpetuum Mobile

Mittwoch, 15. August 2007 | Autor: Bernd

„Wenn sie den Stein der Weisen hätten, der Weise mangelte den Stein“ (Goethe)

Es gibt eine Geschichte, in der ein schäbig gekleideter Mann einem Beamten des Patentamtes ein perpetuum mobile bringt. Dieser Mann ist bescheiden, er legt den kleinen schwarzen Kasten, aus dem eine Welle ragt, welche sich dreht und dreht … einfach auf den Tisch, spricht: „Schauen Sie sich das doch einfach mal an!“ und verläßt den Raum. Der Beamte, der es gewohnt und müde ist, soche Art Maschinen vorgestellt zu bekommen, die am Ende nie funktionieren, reagiert auch diesmal zurückhaltend. Er wirft den Mann nur deshalb nicht hinaus, weil dieser schon von selbst verschwunden ist, bevor er überhaupt reagieren kann. Ein paar Tests ergeben, dass DIESE Maschine, dieses perpetuum mobile, anders ist, sie FUNKTIONIERT. Jeder weiss aber, dass eine solche Maschine nicht funktionieren KANN. Selbst als die Maschine nun schon Monate läuft und mittlerweise das ganze Patentamt mit Energie versorgt, können die Beamten nicht zugeben, dass es ein perpetuum mobile ist, was sie da erhalten haben. Der Mann selbst kommt, zumindestens in dieser Geschichte, nicht wieder …
Das perpetuum mobile ist ein Traum von der idealen Maschine, die Utopie des Ingenieurs. Tausende von mehr oder weniger begnadeten Menschen waren und sind auf der Suche nach dieser Maschine. Ebenso wie bei der Utopie, dem Traum von der idealen Ordnung am idealen Ort – dem Ort, an dem alles bestens funktioniert, alle Menschen so zusammenleben, wie wir es alle hoffen, in Frieden und Ordnung oder in Freiheit und Glück, wird nach etwas gesucht, das wir noch nicht oder nicht mehr zu haben meinen. Wie die Suche nach einem Körperteil oder einer Fähigkeit, welche verlorengegangen oder erlangt werden kann und dann alle unsere Probleme löst, suchen die Erfinder der perpetuum mobile und die Entdecker der Utopia woanders, nicht hier. Sie lesen U-Topia als „Kein-Ort. Nirgends“. Und die Wirklichkeit, ihre Wirklichkeit scheint ihnen Recht zu geben – wirklich, niemand hat bisher ein perpetuum mobile gebaut, niemand hat Utopia gefunden, niemand hat die Lahmen gehend und die Blinden sehend gemacht. Niemand? Wirklich Niemand?
Wenn wir etwas nicht wahrnehmen, kann es dafür drei Gründe geben: Enweder wir haben noch nicht hingesehen, also erst muss jemand kommen und uns zeigen, oder das was wir sehen wollen ist zu groß oder zu klein. Wir brauchen jemanden, die oder der uns etwas sichtbar macht. Diese Leute gibt es, sie nennen wir Künstler. Sie zeigen uns, was wir noch nicht gesehen haben, wenn es auch vor unserer Nase liegt, sie verkleinern das Universum und vergrößern die Atome.
Lesen wir doch U-Topia anders. Was würde sich an unserem Verhalten ändern, würden wir lesen: U-Topia – Kein bestimmter Ort. Überall.
Und wirklich, das perpetuum mobile, welches die Erfinderinnen und Erfinder suchen, das Utopia ist schon lange da. Wir sind Bewohner eines Solchen. Es ist hier. Unser Universum dreht sich und dreht sich. Schon sehr lange und auch noch absehbar lange. Das Ende, das Zuschlagen der Entropie, ist ein Theoretisches. Es ist so weit entfernt von unserer Zeit, dass der Anfangs- und der Endzustand unserer Welt mit Gesetzen beschrieben werden muss, von denen wir nichts ahnen, die mit unseren physikalischen Gesetzen nichts zu tun haben. Gesetze für die die Gesetze der Thermodynamik und der Entropie so erscheinen wie das kleine Einmaleins gegenüber der Infinitesimalrechnung.
Praktisch, und irgendwie haben wir das immer gewußt, pragmatisch, ist diese Welt, die uns umgibt, das perpetuum mobile welches wir suchen, und an deren Welle wir nur unsere Geräte anzuschließen brauchen um genug Energie zur Verfügung zu haben, praktisch ist Utopia, der Ort, an dem wir jetzt glücklich und vollkommen sein können (und zur Vollkommenheit gehört auch der Mangel und die Schwäche), hier – jetzt.
Wir benötigen noch eine möglichst große Posaune, um das möglichst vielen Menschen mitzuteilen. Utopia ist – hier, Utopia ist jetzt. Wir leben in einem perpetuum mobile, wir müssen diese Kraft in uns nur finden und dann nutzen.

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Das Begehren und das Paradies

Mittwoch, 15. August 2007 | Autor: Bernd

Begehren ist zweierlei: Begehren nach dem was ich noch nicht habe oder Begehren nach dem was ich nicht mehr habe. Das was ich habe, darauf richtet sich kein Begehren. Das Eine ist die Utopie – der „Kein Ort – das Überall“. Das Andere ist das Paradies – der Garten, das Umfriedete, die Nicht-Wüste.

Drei Stufen gibt es zum Paradies: Die Mühen des Weges, die Ängste des Tores und die (Ent)täuschung der Erfüllung.

Der Ort des Paradieses und seine Weise ist erinnerbar, Wasser genügend und Pflanzen, Tiere und Frieden, friedliches Miteinander ohne Wut und Begehren.

Das Begehren kommt erst durch das Verbot Gottes. Nicht diese Frucht von diesem Baum! Ohne das Verbot kein Begehren. Warum tut er (oder Sie?) das? Die Schlange verstärkt das Begehren nur. Sie zeigt, macht einen Vorschlag. Die Entscheidung liegt bei Eva und führt zur Scheidung – zur Trennung vom falschen Paradies, der Hölle der ewigen Befriedigung und zum Leben im wahren Paradies des ewigen Begehrens.

Die Mühe

Evas zweite Entscheidung ist deshalb – Eva folgt Adam:

Mit dir zu geh’n ist Paradiesverweilen, doch ohne dich wär hier selbst höchste Pein.(” In me is no delay; with thee to go,Is to stay here; without thee here to stay,Is to go hence unwilling; thou to meArt all things under Heaven, all places thou, “John Milton. Paradise Lost. Book XII)

Aus dem Begehren folgt Mühe, die ich mir mache. Die Summe dieser Mühen ist Kultur, Technik, Wissenschaft. Alles Mittel, Mittler, Abstand zwischen mir und dem Begehrten. Die Glücklichen unter uns haben verstanden, dass das Begehren seliger macht als die Erfüllung. Das Mittel ist wichtiger als das Ziel. Je mehr Mittel zwischen mir und dem Begehren liegen, desto größer der Genuss. Das Auto ist wichtiger als das Reiseziel, die Liebe wichtiger als der Orgasmus, der Weg wichtiger als das Ziel. Ganze Völker begreifen das und bieten sich als Nomaden, Scouts, Lastenträger, Sherpas den Zielstrebigen an. Wohl wissend, dass der Sehnsuchtsvolle beim Erreichen des Ziels bestenfalls seine Sehnsucht verliert, halten sie sich in der Rolle der Gewinner, sie gewinnen immer. Ein neuer Weg ergibt sich mit jedem Schritt den ich tue.

Hat uns der Verlust des Paradieses aus dem Ummauerten ins Freie, in die Wüste gewiesen, treibt uns die Sehnsucht ins Ummauerte. Vor dem Paradies aber steht der Wächter.

Die Hoffnung

Das Tor zum Paradies ist die Hoffnung. Der Wächter, das wissen wir seit Kafka, lässt uns nicht ein, auch wenn das Tor nur für uns bestimmt ist. Er weiß, dass die Hoffnung erhalten, das Begehren unerfüllt bleiben muss um uns im Glück zu halten. Er weiß, dass hinter dem Tor nichts ist, das Paradies nur eine Ansammlung von weiteren Kästen, Einfriedungen, Umfriedungen.

Wir wollen den Wächter nicht verstehen, wir sehen, hören, fühlen einfach nicht hin. Wir wollen durch’ s Tor, Türen aufstoßen, Mauern niederreißen.

Hier geschieht nun so viel Menschliches, wir produzieren unsere Vorzüge und verstecken unsere Nachteile. Wir kriechen wie die Ratten und tanzen wie die Affen. Auch hier gibt es jene, die begriffen haben, wo der eigentliche Sinn liegt. Jene Taschendiebe des Glücks, die davon leben, dass der Sehnsuchtsvolle, Hoffende abgelenkt ist vom wirklich Wichtigen – erleichtern eben diesen um dieses Wichtige, schneiden den Beutel, nehmen, was nicht geachtet wird, um sich selbst ein Leben zu geben.

Die Erfüllung/ Enttäuschung

Und schließlich da wir das Tor aufgestoßen, die Mauer niedergerissen haben, begreifen wir auf grausame Weise, dass da nichts ist das es wert war, die Tür aufzustoßen, die Mauer niederzureißen.

Gott hat sich natürlich was gedacht, als er uns mit des Lichtbringers Hilfe auf Grund unserer eigenen Entscheidung aus dem Paradies verjagte: Schluss mit dem sinnlosen, begehrungslosen Dasein. Der entscheidende kleine Schritt ist der aus der Norm in die schmerzhafte, begehrensreiche, mühselige, glückliche Freiheit der ganzen Welt.

Hinaus ins Offene!

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