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Beiträge vom » Juli, 2007 «

Religion und andere Opiate

Dienstag, 31. Juli 2007 | Autor: Bernd

Vieles, was sich über Religion sagen lässt, erschließt sich aus dem Umgang mit einem Satz von Karl Marx, den er als junger Mann schon gefunden hat. Marx sagt:

“Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.” (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. Marx/Engels-Werke, Bd. 1, 378ff.)

Das Eigenartige ist, dass dieser Satz in der Regel falsch zitiert wird, nämlich als: “Religion ist Opium für das Volk.”

Dabei liegt in der Art der Auffassung des Textes die Grundhaltung zur Religion:

Für Karl Marx ist Religion etwas, das das Volk für sich selbst macht, ebenso wie Opium, Alkohol und andere Rauschmittel um seine Ketten ertragen zu können oder wie Blumen, um die Ketten wenigstens zu verschönern.

Für die Falschzitierer ist Religion etwas, das Andere (der Staat, die Kirche, die drei “Betrüger” Jesus, Buddha und Mohammed – nach einer Streitschrift aus dem 16. Jahrhundert [auch hier] ) für das Volk gemacht haben um es zu verdummen und durch Angst klein zu halten.

In seinem Fall hoffte Marx, durch Schulung, Aufklärung, Wissenserweiterung dem Volk die Ketten unter den Blumen sichtbar zu machen. Er war sich der Härte dieser Massnahme bewußt. Ebenso wie ein Alkoholkranker oder ein Opiumsüchtiger alles tun wird, um seinen berauschten Zustand wiederherzustellen, wird auch das Volk immer wieder dazu tendieren, sich alte und neue Religionen zu schaffen, so wie es sich trotz Verboten und Verfolgung Alkohol selbst brennt oder Haschisch selbst zieht. Was er nicht ahnte, war, dass auch der Kommunismus vom Volk zur Religion gemacht werden würde.

Vom Standpunkt der Falschzitierer – die sich in allen Lagern finden, von den Feinden des Marxismus bis hin zu den sich selbst so nennenden Marxisten – muss gegen die Volksverdummung mittels Religion angegangen werden. Die “Verdummer”: Theologen, Priester, Imame, Mönche, Lamas werden zu Verbrechern gestempelt, die vernichtet werden müssen, deren Einrichtungen, Kirchen, Moscheen u.s.w. zerstört gehören. Den Betrügern muss das Handwerk gelegt werden.

Wie wir aus der Geschichte sehen, haben sich, auch unter dem Namen des Kommunismus, die Falschzitierer, die Vertreter der Betrugshypothese durchgesetzt.

Dass das weder Marx meinte noch Marxismus ist liegt auf der Hand. Es ist eine These, die in der Ursprungszeit der bürgerlichen, der kapitalistischen Welt entstanden ist und von bürgerlichen Theoretikern und Religionskritikern immer wieder vertreten wird, auch wenn diese sich Marxisten oder Kommunisten nennen.

Die Betrugshypothese ist keine marxistische Aussage, sondern eine vulgärbürgerliche Hetzparole, die zum Tode von vielen geistreichen und klugen Menschen geführt hat, zur Zerstörung von kulturellen Werten – und das war wohl auch das eigentliche Ziel dieser Parole und das ihrer Nutzer.

Kein Wunder, dass sich alle Diktatoren, ob Stalin oder Hitler oder Mao in dieser Sache einig waren.

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Das Harry Potter Phänomen

Montag, 16. Juli 2007 | Autor: Bernd

Die Bücher, die ich immer wieder lesen kann, weil ich immer mehr erinnere aus meiner eigenen Welt – Die Filme, die ich immer wieder sehen muss, weil ich deren Inhalte sofort vergesse …

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Erst Nehmen und dann Geben. Das Lament des Eingeborenen.

Montag, 9. Juli 2007 | Autor: philspass

Sie nehmen uns den Grund und Boden – sie geben uns Mieten und Schulden.
Sie nehmen uns die Zeit – sie geben uns Urlaub.
Sie nehmen uns unser Heimweh – sie geben uns Fernweh.
Sie nehmen uns die universellen Güter – sie geben uns Geld.
Sie nehmen uns die Würde – sie geben uns Rangabzeichen.
Sie nehmen uns unsere Märchen – sie geben uns Geschichte.
Sie nehmen uns die Sänger – sie geben uns die Lehrer.
Sie nehmen uns den Hunger – sie geben uns den Appetit.
Sie nehmen uns die Angst – sie geben uns den Horror.
Sie nehmen uns die Sehnsucht – sie geben uns Massenmedien.
Sie nehmen uns den Raum – sie geben uns Kisten zum Wohnen und Bewegen.
Sie nehmen uns die Nahrung – sie geben uns Supermärkte voller bunter Abfälle.
Sie nehmen uns den Sex – sie geben uns die Pornografie.
Sie nehmen uns die Liebe – sie geben uns die Ehe.
Sie nehmen uns die Kleider – sie geben uns Anzüge.
Sie nehmen uns unsere bösen Geister – sie geben uns Politiker/-innen.
Sie nehmen uns unsere Lieder – sie geben uns Radios.
Sie nehmen uns das Naturschöne – sie geben uns Galerien.
Sie nehmen uns unsere guten Geister – Sie geben uns Religion.
Sie nehmen uns unsere Weisheit – sie geben uns Wissenschaft.
Sie nehmen uns unser Wissen – sie geben uns Glauben.
Sie nehmen uns unsere Hoffnung – sie geben uns ihr Jenseits.
Sie nehmen uns unsere Freiheit – sie geben uns ihre Sicherheit.
Sie nehmen uns unser Vergnügen – sie geben uns ihre Clowns.
Sie nehmen uns unsere Gespräche – sie geben uns Telefon.
Sie nehmen uns unsere Träume – sie geben uns Rauschgifte.
Sie nehmen uns unser Glück – sie geben uns ihre Berechnungen.
Sie nehmen uns unseren Zufall – sie geben uns ihre Notwendigkeiten.
Sie nehmen uns unseren Kontakt – sie geben uns Kommunikationsmittel.
Sie nehmen uns unsere wilden Tiere – sie geben uns Zoologische Gärten.
Sie nehmen uns unsere Wälder – sie geben uns Autobahnen.
Sie nehmen uns unsere Ruhe – sie geben uns Lärmschutzanlagen.
Sie nehmen uns unsere Riten – sie geben uns Gesetze.

Sie wollen nur unser Bestes – wir geben es ihnen oft freiwillig – aus Sehnsucht nach dem Anderen.

Die Fragen:
• Wer sind “Sie”,
• Wann sind wir selbst “Sie”
• Warum glauben wir, dass Geben seliger als Nehmen ist?

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Der Name des Scheins im Spiegel

Sonntag, 1. Juli 2007 | Autor: Bernd

Auf die (psycho-)analytisch erste Frage, die sich in der Regel auf das Sein bezieht: “Wer bist du?” erhalten wir als Antwort typischerweise nur den Namen einer Sache oder eines Sachverhaltes. Genau genommen erhalten wir auf die Frage nach dem Wesen einer Sache eine Antwort, die den Namen des Scheins einer Sache enthält: “Ich bin Martin!”

Auf die vertiefenden Fragen: “Und was bist du wirklich …?” oder “Wer bist du wirklich?” folgt die Verwendung weiterer Nominalisierungen, die in ihrer Konkretheit ein Bild ergeben, mittels dem wir uns ab einem gewissen, je nach Objekt verschiedenen, Grad von Komplexität zufrieden geben: “Ich bin Tischler, habe ein Haus und zwei Kinder, meine Frau lebt von mir getrennt …” (Das heisst im Klartext: Meinen Beruf nennt man Tischler, ich bin der der zwei Kinder hat, ich bin einer, der getrennt von seiner Frau lebt … u.s.w.).

Trotz – und weil – die Frage nach dem Sein der diskutierten Sache immer noch nicht beantwortet ist, weil sie zu abstrakt gestellt wurde, geben wir uns ziemlich schnell ungeduldig mit dem Bild das uns eine/-r von sich gibt, zufrieden.

Doch woher hat der Befragte das Bild? Was beschreibt er da? Wir wissen mittlerweile, dass die Realität, die beschrieben werden kann, die jeweilige Form der Repräsentanz von Wirklichkeit im Hirn des Befragten ist – subjektive Realität. Wir erfahren also gar nichts über die objektive Realität eines Dinges, sondern etwas über die Vorstellung des Dings im subjektiven Bewusstsein des Befragten.

Diese Vorstellungen kommen aus dem Spiegel, den uns Andere liefern. Alle Erfahrungen über uns stammen von anderen Menschen oder von der Wirklichkeit, die andere Dinge (Nicht-Ich, Nichtse) für uns haben. Selbst Dinge, die wir selbst gemacht haben, Kinder oder Werke oder Zerstörungen sind im Moment des Wahrnehmens Anderes – Fremdes.

Da wir selbst Andere für die Anderen sind, finden wir rasch partielle Ähnlichkeiten mit unserer Wahrnehmung, ähnlich jener aus welcher das befragte Ich sein Selbstbild bezogen hat.

“Der durch das Spiegelbild gestiftete Beginn meiner Identität ist zugleich der Beginn meiner Alienation – der Andersheit meiner selbst”, sagt Lacan.

Diese partielle, immer zerstückelte, Wahrnehmung erinnert das Subjekt jedoch unangenehm und schmerzhaft an die Zerstückelung, die es vor der Befragung des Spiegels an sich erfahren hat (Wir haben mit einiger Sicherheit nur einige Teile von uns wahrnehmen können, unsere Hände, Füsse, Teile unseres Leibes, nicht aber unsere Ohren oder unseren Hinterkopf oder das Innere unserer Leiber).

Aus dieser Wahrnehmung zieht das Subjekt das Begehren nach Ganzheit, nach der Aufhebung der Zerstückelung.

Da der Spiegel aber der Spiegel von Anderen ist über die wir keine oder nur eingeschränkte Macht besitzen, sind jene, sosehr wir ihrer Meinung als Spiegel bedürfen, Quelle von Schmerz, Fortsetzung der Zerstückelung, der Entfremdung, des Mangels – damit Gegenstand des Begehrens.

Die Hölle, das sind die Anderen, die wir begehren – könnte eine Erweiterung von Sartre’s Satz lauten.

“Sein heißt – wahrgenommen werden”, so verstehe ich hier Berkeley.

Ob allerdings die unangenehme Seite der Abhängigkeit dominierend sein muss, bezweifle ich. Im Spiel der gegenseitigen Abhängigkeiten entfalten sich Trauer und Freude, Leiden und Tat. Die Entscheidung, was als welches gilt liegt in vielen Fällen bei uns:

“Denn man muss vor allem festhalten, daß es ein und dasselbe Begehren ist, wonach der Mensch sowohl als handelnd wie als leidend gilt.” (Spinoza)

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